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Jan 26

Rezension – Evolution – Die Stadt der Überlebenden (Thomas Thiemeyer)

Ahnungslos reisen Lucie und Jem mit einer Austauschgruppe in die USA. Doch als ihr Flugzeug am Denver Airport notlandet, wird ihnen schnell klar: Die Welt, wie sie sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Flugbahn überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Sogar die Tiere scheinen sich gegen sie verschworen zu haben: Wölfe, Bären, Vögel greifen die Jugendlichen immer wieder in großen Schwärmen an. Was ist bloß geschehen? Während ihrer gefahrvollen Reise durch die neue Welt erfahren sie von einem Kometeneinschlag. Und von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Aber wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat?

Man kann nicht immer nur „Altlasten“ aufarbeiten, daher gibt es heute eine Besprechung zu einem Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Es sprach mich in der Buchhandlung mit seinem tollen Cover und dem verheißungsvollen Klappentext sofort an.
Anfangs hatte ich noch ein paar Bedenken, denn man muss binnen kürzester Zeit mit einer ganzen Reihe Figuren klarkommen und sie einordnen. Ich habe damit oft meine Schwierigkeiten und auch hier dachte ich, dass ich all die Figuren kaum jemals auf die Reihe bekommen würde. Letztlich hat das dann aber doch gut geklappt. So richtig lernt man erstmal Jem und Lucie kennen und dann kommen -speziell nach der Bruchlandung- nach und nach auch die übrigen Jugendlichen dazu, sodass ich recht bald wusste, wen ich in den Szenen jeweils „vor mir“ hatte. Insgesamt fand ich alle Jugendlichen ganz sympathisch und es hat mir besonders gefallen, wie unterschiedlich sie sind. Damit hat man ein Team mit vielen verschiedenen Fähigkeiten an der Hand, aber natürlich auch mit Konflitpotenzial. Das fand ich ganz authentisch und es trägt so auch zur Spannung bei.
Noch spannender war für mich aber die Frage, was überhaupt passiert ist. Wieso ist das Flugzeug abgestürzt?  Vor allem auch, wo ist es eigentlich abgestürzt? Und später dann -zur kompletten Verwirrung- wann ist es abgestürzt?
Das Wo wird schnell geklärt und unter dem Namen der Stadt kann sich sicher jeder auch etwas vorstellen. Das Erstaunliche ist, wie es dort inzwischen aussieht. Ich habe ja eine arge Schwäche für Geschichten mit einem gewissen Endzeitflair, und das hat auch dieser erste Band klar an sich. Dass die Natur sich solche verwaiste Orte über kurz oder lang zurückholt, ist nur natürlich.Es war schon richtig cool, mit Jem, Lucie und den anderen an solch einem Ort unterwegs zu sein.
Wovon ich dagegen überhaupt kein Fan bin ist, wenn diese Natur zu sehr zum zentralen Thema wird. Soll heißen, ich hätte das Buch sicher irgendwann weggelegt, wenn es nur noch um Tiere, Pflanzen, Dschungel und das Überleben gegangen wäre. Doch so sehr das ganze Setting auch wie aus der Zeit gefallen wirkt, es tauchen immer wieder sehr moderne, meist auch futuristische Elemente auf. Wie zB Hologramme, eine Art Roboter, verschiedene Gerätschaften, und für sowas habe ich halt ein totales Faible! Endlich mal eine endzeitlich anmutende Geschichte, die nicht total altmodisch wirkt! Toll!
Ich konnte das Buch also wirklich sehr lange kaum aus der Hand legen. Die Geschichte war für mich sehr lange sehr spannend: die Abenteuer und die Ereignisse, denen Jem, Lucie und Co. sich stellen müssen, die Gefahr durch gewisse „Lebewesen“ und natürlich das Rätsel, was eigentlich überhaupt passiert ist! Gewürzt mit diesen besagten futuristischen Elementen war das einfach total mein Ding!
Und dann kam das, was der Titel eigentlich schon verrät. Ich hätte also zumindst gewarnt sein müssen. War ich aber nicht und deshalb kam die Keule dann auch. Genau mit Kapitel 46. Eine Midgardschlange, ein Meister sowieso, Alrik und Ragnar, gekleidet in Wolfsfellen und alte Legenden. Himmel, bis dahin war doch alles so modern und teilweise wissenschaftlich trotz der Umstände. Kann das denn nicht einmal so bleiben? Was sollte dieser steinzeitliche Einschlag jetzt plötzlich?
Tja, und so haben mir die letzten Kapitel bedeutend weniger Spass gemacht als ihre Vorgänger. Und derbe enttäuscht war ich eben auch. Ich kann sowas Altmodisches, Steinzeitliches schlichtweg nicht ab und finde ich nur langweilig.

Wie schon geschrieben bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Jedenfalls bis Kapitel 46. Das Buch ist einfach toll geschrieben. Einerseits ganz locker weg, aber ohne dass dabei Spannung und Amtosphäre jemals auf der Strecke blieben. Sogar gegruselt habe ich mich ab und zu, was gerade dann toll ist, wenn man abends im Bett liest. Die Kapitel sind weder zu kurz, noch zu lang. Immer wieder wurde ich verleitet ‚eins noch‘ zu lesen, woraus dann doch deutlich mehr wurden. Richtig toll!

Das Cover finde ich immer noch genial. Dieses kräftige Grün ist ein echter Blickfang, die stehengelassenen Autos und überwucherten Gebäude verbreiten Endzeitstimmung und das Tier auf der Straße macht ebenso neugierig wie die Jugendlichen im Vordergrund. Der imposante Titelschriftzug tut ein Übriges dazu.

Fazit: 45 von 61 Kapiteln entsprach „Evolution – Die Stadt der Überlebenden“ genau meinem Geschmack. Spannend, atmosphärisch, leicht gruselig mit endzeitlichem Einschlag und trotzdem wunderbar modern und futuristisch. Zu 100 Prozent genau mein Ding! Und dann kam leider der große Bruch damit. Alles Moderne, Futuristische, Wissenschaftliche weg, dafür Legenden, Menschen in Fellen, die in einer Art Höhle leben. Na toll! Alles genau so, wie ich es eben gar nicht mag und wovon ich lange dachte, „Evolution“ würde damit nicht um die Ecke kommen. Es ist daher fraglich, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Sehr, sehr schade.


Titel: Evolution (01) – Die Stadt der Überlebenden
Autor: Thomas Thiemeyer
Seiten: 360
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401601670
Preis: € 16,99 (HC)

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