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Okt 13

Rezension – Die Moortochter (Karen Dionne)

Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen.

Dieses Buch ist ein tolles Beispiel dafür, dass man oft doch lieber auf sein Bauchgefühl hören sollte. Das hatte mir nämlich klar davon abgeraten. Aber dann veführte mich das Cover doch, das ich einfach super schön fand und immer noch finde. Damit nahmen die langweiligen Leseabende ihre Lauf.
Dabei finde ich die Grundidee der Geschichte gar nicht so schlecht. So eine verlassene Gegend ist ein toller Schauplatz für einen Thriller und wird sehr anschaulich beschrieben. So kann man sich alles gut vorstellen. Und auch eine Jagd zwischen einer Tochter und einem psychopathischen, aus dem Hochsicherheitsgefängnis entflohenen Vater, hätte ich mir an diesem Ort wirklich spannend und schaurig vorstellen können. Ich mochte auch Helena ganz gerne eigentlich. Sie ist zwar ein bisschen anders, doch das bleibt bei ihrer Geschichte wohl kaum aus. Sie ist clever, mutig und es ist beeindruckend, wie sie sich in der Natur zurechtfindet und Spuren deuten kann.
Leider ist die Geschichte jedoch gewissermaßen zweigeteilt. Einmal ist da der Part im Hier und Heute. Mit der Bedrohung, die plötzlich über Helena (und ihre Familie) hereinbricht und mit Helenas mutiger Jagd auf ihren Vater, bei der man gemeinsam mit ihr nur hoffen kann, dass sie ihm zuvorkommt und ihn unschädlich machen kann. Dieser Teil der Handlung hat einige wenige Schreckmomente und ist auch sonst nur leidlich spannend, einfach weil er vom zweiten, erheblich umfangreicheren zweiten Teil der Story total in den Hintergrund gedrängt wird.
Dieser große zweite Teil besteht aus vielen Rückblicken vor allem in Helenas Kindheit, die sie mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einer Blockhütte im Moor verbracht hat. Man liest vom harten Leben dort, von Helenas Anfängen als Jägerin und Fährtenleserin und natürlich von der Tyrannei des Vaters, unter der sie aufgewachsen ist und unter der auch ihre Mutter zu leiden hatte. Ja, das ist alles auch wirklich schrecklich und es gibt durchaus Momente, in denen ich geschaudert habe, aber insgesamt verlieren sie sich in den sonstigen Schilderungen um diese Zeit in Helenas Leben. Um die Schilderungen, was die Familie damals gegessen hat, was für ein Erlebnis das erste selbst erlegte Tier war, wie oft Helena in alten Zeitschriften geblättert hat, wie sich die eisigen Nächte angefühlt haben und so weiter und so weiter. Später dreht sich in diesem Teil alles um die Zeit nach der Befreiung von Helena und ihrer Mutter und der Festnahme des Vaters. Und dann gibt es auch noch Rückblenden in die Anfänge von Helenas Familienleben und ihren Problemen, sich in der normalen Gesellschaft einzufinden.
Das alles ist dermaßen ausführlich ausgefallen, dass ich denke, würde man der Geschichte all ihre Rückblicke nehmen, hielte man maximal ein Romanheftchen in Händen. So kann man das Verhältnis dieser beiden Parts vielleicht ganz anschaulich beschreiben.
Bei mir ist es nun einmal so, dass mich solch umfangreiche Einschübe aus der eigentlichen Handlung herausreißen und mich davon ablenken. Damit bleiben dann immer auch die eventuell aufgebaute Spannung und Atmosphäre auf der Strecke. Und da es der „Moortochter“ ohnehin kaum gelungen ist, beides aufzubauen, blieb durch die Rückblenden bei mir gar nichts mehr davon übrig.

Helena erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive und eigentlich empfinde ich diese Ich-Perspektive meist als sehr leicht zu lesen. Helena erzählt auch gut und anschaulich, aber einfach viel zu ausschweifend und detailreich. Ich bin mir sicher, hätte ich mal zwei oder drei Seiten ausgelassen, es wäre für die eigentliche Handlung kaum bis gar nicht von Bedeutung gewesen. Und so habe ich mich Abend für Abend durch die Geschichte gekämpft.

Das Cover, das mich so sehr verführt hat, mag ich allerdings immer noch. Mir gefallen die kräftigen, leuchtenden Grüntöne einfach super. Auch der düstere Rahmen aus Schilfhalmen und die einsame Hütte passen für mich zu einem spannenden Thriller.

Fazit: Was für ein langweiliger und unspannender Thriller! Anders kann ich es einfach nicht sagen, so leid es mir auch tut. Die Aufteilung in die Handlung heute und die Rückblenden hat längenmäßig ein völlig falsches Verhältnis. Die Erzählung verliert sich völlig im Damals und verdrängt so das Heute gänzlich in den Hintergrund. Dadurch hat weder die Spannung, noch die Atmosphäre eine Chance sich zu entfalten. Ich habe mich ehrlich durch das Buch hindurch gequält.


Titel: Die Moortochter
Autor: Karen Dionne
Seiten: 381
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 978-3442205356
Preis: € 12,99 (TB)

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