Feb 27 2018

[Rezension] Bekenntnisse eines Nachtsportlers (Wigald Boning)

Auf seine unverwechselbare Art erzählt Wigald Boning von seinen skurrilen Trainingserlebnissen und ungewöhnlichen Trainingsmethoden, berichtet von heroischen Kämpfen mit dem inneren Schweinehund, versieht das Ganze mit Tipps für Sportler und Möchtegern-Sportler und bietet vor allem eins: Amüsement.

Nachdem mir vor einiger Zeit Wigald Bonings „Im Zelt“ so gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt noch mindestens ein weiteres seiner Bücher lesen. Die Wahl fiel aufgrund des vielversprechenden Titels auf den „Nachtsportler“.
In diesem Buch erzählt Wigald Boning von seinen sportlichen Unternehmungen, die natürlich -wie könnte es bei ihm auch anders sein- schon mal ein Stück neben der Spur sind bzw wirken. Da radelt er, völlig ungeübt darin, mit dickem Gepäck einmal durch Deutschland, läuft einen Marathon mit Krawatte, tritt eine Profiwanderung in den Alpen an und fährt 24 Stunden mit einem Tretboot auf dem See herum.
Wenn man für die eine oder andere Sportart eine gewisse Begeisterung aufbringt, dann sind das schon interessante und spannende Themen. Zum Glück lässt Wigald Boning geraume Zeit keineswegs die große Sportskanone heraushängen. Anfangs ist er unsportlich und untrainiert, aber zumindest wild entschlossen. Man erfährt daher auch von Rückschlägen, Muskelkater, Krankheiten infolge des ungewohnten / ungewöhnlichen Trainings und Zweifeln. Das lässt ihn sympathisch und wunderbar normal wirken. Denn mal ehrlich, wer von uns könnte all diese Unternehmungen vollbringen, ohne an Grenzen zu kommen? Eben!
Somit habe ich über all das wirklich gerne gelesen. Über einiges habe ich gestaunt und mich gewundert, aber genau deshalb hat es mir gefallen. Weil es nicht so normal ist. Für vieles habe ich Wigald Boning ehrlich bewundert, denn ich an seiner Stelle würde all das niemals auf die Reihe bekommen und seine Disziplin ließe bei so etwas wohl auch schnell zu wünschen übrig. Zum Glück verfolge ich ja keine Pläne dieser Art. Mir reichen mein Fitnessstudio, im Sommer die eine oder andere Wanderung und meine Inliner. Aber ich mag es eben total, wenn jemand etwas Neues und das dann gerne auch etwas ungewöhnlich ausprobiert.
Nichtsdetotrotz war es mir in Summe etwas zu viel Lauferei und Fahrradfahrerei. In den meisten Kapiteln geht es darum. Das fand ich etwas schade. Da hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht. Ich bin mir sicher, dass Wigald Boning noch zahlreiche andere Sportarten ausprobiert hat. Neben dem Laufen und dem Radfahren.
Der größte Knackpunkt war für mich allerdings die Tatsache, dass längst nicht alle sportlichen Aktivitäten in der Nacht unternommen werden. Es kommt vor, natürlich: wenn man eine Aktion 24 Stunden durchziehen möchte, dann geht es nicht anders. Und das Training findet auch oft nachts statt, keine Frage. Aber Marathons und Wanderungen oder Radtouren über die Berge finden eben doch mehrheitlich bei Tag statt. Das wirkt so alles nicht so sonderbar, wie es der Titel einem zunächst verspricht.

Auf Bonings Erzählstil, seine Sprache und seine Formulierungen muss man sich einlassen können. Da muss man sich erst einmal einfinden, doch das ging bei mir recht schnell. Ich mag seinen Humor sowieso sehr gerne und so humorig lasse ich mir gerne etwas erzählen. Da kann man nämlich oft mal schmunzeln und so macht mir Lesen am meisten Spass. So fliegen auch Kapitel mit um die 20 Seiten oder mehr quasi dahin. Einzig an den diversen Erwähnungen seines Status habe ich mich hier und da gestört. Ich gehe davon aus (und hoffe es), dass man es bei ihm nicht allzu ernst nehmen kann, wenn er beispielsweise von sich behauptet, ein Fernsehstar zu sein. Trotzdem liest es sich auf den ersten Blick schon etwas arrogant.

Das Cover verspricht so einiges, obwohl es nicht allzu spektakulär ist. Aber man fragt sich schon, welchen verrückten Sportarten Boning in der Nacht wohl so nachgeht. Nächte haben ja nun mal irgendwie etwas Geheimnisvolles an sich, dem man mit einer Taschenlampe auf den Grund zu gehen versuchen kann. Und wieso ist Boning überhaupt zumindest oben herum nackt? Das lässt auf viel Verrücktes hoffen.

Fazit: Nach „Im Zelt“ hat mich der „Nachtsportler“ leider eher enttäuscht. Natürlich sind Bonings sportliche Ideen und Aktivitäten interessant und schön schräg. Und es hat mir sehr gefallen, dass er so ehrlich von den oft schmerzhaften Anfängen seiner Karriere als (Nacht)sportler erzählt.. Aber mir fehlte ein wenig Abwechslung zum Laufen / Wandern und Radfahren. Meistens geht es um diese Sportarten, was irgendwann an Reiz verliert. Dazu kommt noch, dass längst nicht alle Unternehmungen des Nachts stattfinden, was ich angesichts des Titels schade fand. Glücklicherweise mag ich Bonings Humor und seine Art zu erzählen, das hat mir das Weiterlesen trotzdem leicht gemacht. Und das war in diesem Falle wirklich gut, sonst hätte ich das Buch nach dem dritten Laufabenteuer womöglich abgebrochen.


Titel: Bekenntnisse eines Nachtsportlers
Autor: Wigald Boning
Seiten: 304
Verlag: rororo by Rowohlt
ISBN: 978-3499621925
Preis: € 9,99 (TB)

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