Mai 13

Rezension – Erwin, Enten, Präsidenten (Thomas Krüger)

In Versloh, der Gemeinde mit den Dörfern Bramschebeck und Pogge, steht die Wahl vor der Tür. Alle paar Jahre wieder wird Fritzwalter Kleinebregenträger hier zum Bürgermeister gewählt. Nie gab es einen Gegenkandidaten. Eines Morgens allerdings liegt Kleinebregenträger tot neben der Bundesstraße. War es Mord? Oder ein Unfall? Erwin Düsedieker, den man im Ort für trottelig hält, weil er mit seinen Enten spricht und in Gummistiefeln Spaziergänge unternimmt, macht sich so seine Gedanken. Und verstrickt sich unversehens in einen schmutzigen Wahlkampf.

Die Krimis um Erwin und seine Ermittlerenten geht in die vierte Runde und spielt dieses Mal wieder in Erwins Heimat, dem kleinen ostwestfälischen Dorf und maximal den umliegenden, kleineren Ortschaften. Für meinen Geschmack hat sich Erwin auf Oddinsee zwar sehr gut gemacht, aber an sich gehört er für mich doch eher genau in dieses verschlafene Nest.
Wobei es -mal wieder- ganz und gar nicht so verschlafen zugeht. Die Bürgermeisterwahl steht bevor und der bislang konkurrenzlose Bürgermeister liegt eines Morgens Gesicht nach unten am Straßenrand im Flüsschen Bramsche. Tot. Und wie der Zufall es will, ist Erwin an diesem Morgen ganz in der Nähe und bekommt so einiges mit. Und wird dort auch noch gesehen!
Die Suche nach dem Täter und seinem Motiv beginnt, und da Erwins Lebensgefährtin Lina als Bürgermeisterin kandidiert, ist das für ihn ganz besonders brisant, denn der Wahlkampf bringt so manch finstere Machenschaften ans Tageslicht. Es war schon erstaunlich zu lesen, welche Abgründe sich selbst in solch dörflicher Politik plötzlich auftun. Gleichzeitig zeigte es für mich auch auf, welcher Filz in solch kleinen Ortschaften herrschen kann. Es ist wirklich beachtlich, dass Erwin dabei den Überblick behält. Unter Anderem natürlich mit der Hilfe seiner Freunde, den Enten und seinen Büchern. Dabei ist auch hier wieder deutlich zu spüren, dass Erwin sich mausert. Er ist längst nicht mehr der „Dorftrottel“ und so naiv wie zB noch zu Beginn von Band 1. Das hat mir -wie schon im vorigen Band- wieder richtig gut gefallen. Was habe ich gelacht über seinen Auftritt in der Konzerthalle. So cool! Und so ein schöner Beweis dafür, wie dusselig doch die vermeintliche High Society des Dorfes ist…
Es macht Spass, mit ihm gemeinsam zu knobeln. Verdächtige gibt es mehr als genug und immer wieder geschieht etwas, das den Mord und seineHintergründe wieder in anderem Licht erscheinen lässt. Kaum hat man einigermaßen sicher in eine Richtung gedacht, wendet sich das Blatt auch schon wieder. Das sorgt natürlich für Spannung. Und alle naselang habe ich mr nur gedacht: das darf doch wohl nicht wahr sein! So ein Kaff und so viele linke Bazillen! Ganz langsam dröselt sich nach und nach erst ein Bild davon auf, was da eigentlich vor der großen Wahl ablief und immer noch abläuft, und ein richtiges Bild ergibt sich tatsächlich erst zum Ende hin bei der Auflösung.
Spannend ist auch die Frage, ob es Lina tatsächlich ins Bürgermeisteramt schaffen wird. Die Vorstellung ist -angesichts ihren Alters- ja schon etwas schräg und eher abwegig, aber Bramschebeck traue ich inzwischen so einiges zu. Ihr Wahlkampf und die Vorbereitungen dazu sind sehr amüsant und teilweise ganz schön chaotisch, aber irgendwie habe ich es ihr die ganze Zeit von Herzen gegönnt. Dem Dorf hätte so eine Minirevolution schon gut zu Gesicht gestanden. Übrigens waren Linas Wahlkampfveranstaltungen mein ganz persönliches Highlight. Einerseits tat sie mir unglaublich leid, wie sie da vor Kneipen voller stark alkoholisierter Dörfler ihre Frau stehen muss, andererseits sind diese Situationen aber auch zum Totlachen komisch beschrieben. Rührend dagegen sind die Passagen, in denen Erwin alles dafür tut, dass Lina sich im Wahlkampf gut schlägt und sie unterstützt, wo er nur kann. Da spürt man richtig, wieviel sie ihm bedeutet, und das ist einfach nur schön.

Für diesen Band habe ich wieder etwas länger gebraucht als man es bei der Dicke des Buchs erwarten sollte. An Thomas Krügers etwas anderen Schreibstil habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt und dank vieler Dialoge wirkte er hier nochmal aufgelockerter. Aber in den ganzen Namen musste ich mich doch erstmal zurechtfinden und hatte selbst zum Ende hin noch Probleme, einige von ihnen auf Anhieb richtig einzusortieren. Da musste ich manches Mal nochmal kurz überlegen, über wen ich gerade lese. Und das hielt ab und zu etwas auf.

Das Cover ist einmal mehr genial und mit dem kräftigen Gelb und dem witzigen Motiv ein echter Hingucker im Regal. So süß, die Ente da in der Ente! Die spielt übrigens in der Geschichte auch eine Rolle! In der vorderen Klappe der Broschur findet man eine Karte von Bramschebeck und dem Nachbardorf Pogge.

Fazit: Auch Band 4 der Reihe hat mir wieder sehr gut gefallen! Schön, dass Erwin und seine Freunde wieder zurück in der Heimat sind. Erwins neuer Fall ist ausgesprochen spannend und vielschichtig. Es ist schon erstaunlich, was -sobald es um Politik geht- selbst in so einem kleinen Nest los ist. Nicht mal vor Mord schreckt man dabei zurück und es braucht einiges an Geschick und Cleverness um sich durch den dörflichen Filz zu kämpfen, damt man dem Täter schlussendlich auf die Schliche kommen kann. Gut, dass Erwin beides hat. Gelacht habe ich auch wieder, speziell bei allem rund um Linas Wahlkampf. Einfach zu schön!


Titel: Erwin, Enten, Präsidenten
Autor: Thomas Krüger
Seiten: 400
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453419810
Preis: € 9,99

Mai 10

Rezension – Ragdoll – Dein letzter Tag (Daniel Cole)

Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Flickenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes.

Inzwischen hat er sich schon wieder gelegt, aber vor gar nicht allzu langer Zeit, gab es um dieses Buch einen gewaltigen Hype. Die positiven Bewertungen häuften sich, und manchmal lasse ich mich damit eben doch ködern. Obwohl ich von Anfang an Bedenken hatte, denn -wie schon mehrfach erwähnt- locken mich Krimis und Thriller, die außerhalb von Deutschland spielen, eigentlich nicht mehr.
Hier habe ich dann aber doch zugegriffen.
Was soll ich sagen? Ich kann die allgemeine Begeisterung über „Ragdoll“ nicht nachvollziehen, und das liegt nicht nur am Schauplatz. Der ist zwar durchaus auch ein Grund, aber er gehört nicht zu den wesentlichen Gründen.
Dabei gefiel mir die Idee mit der Flickenpuppe, zusammengestückelt aus Körperteilen von sechs Leichen erstmal wirklich richtig gut. Das ist so die Art von kaputter Idee, mit der man mich leicht und schnell begeistern kann. So legte „Ragdoll“ zunächst einen recht guten Start bei mir hin.
Allerdings blieb es dabei auch. Ich habe etwas darüber nachdenken müssen, wieso mich die nachfolgende Story nicht gepackt hat, und es lag haputsächlich .an mangelnder Spannung.
Ich konnte mich beispielsweise mit kaum einer Figur wirklich anfreunden. Sei es mit der  ständig herumbrüllenden ach-was-bin-ich-doch-für-ein-harter-Hund – Ermittlerin Baxter, noch mit dem reichlich verkommenen Wolf, oder den anderen im Team, das sich mit den Ragodll-Morden beschäftigt. Und es ist immer schlecht, wenn es keine Figur gibt, zu der ich eine Beziehung aufbauen kann. Denn diese Art „Nähe“ brauche ich, um mit einer Figur mitzufiebern, mit ihr zu hoffen, zu bangen und  dem Geschehen um diese Figur gebannt zu folgen. Lediglich Edmunds gefiel mir wirklich gut und über seine Nachforschungen habe ich wirklich gerne gelesen. Und es hat mich tierisch geärgert, wie die anderen Ermittler mit ihm umgehen.
Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt, weshalb „Radgoll“ bei mir nicht punkten konnte. Was ist das denn bitte für ein Umgang untereinander in diesem Team? Jeder hetzt irgendwann mal gegen jeden, man schnauzt sich an, ignoriert gute Denkansätze, nur weil sie von dem Neuen bei Scotland Yard kommen und haut sich mitunter gegenseitig ordentlich in die Pfanne. Natürlich, das Team steht unter gewaltigen Druck, aber das rechtfertigt für mich noch lange keinen solch assigen (sorry für den Ausdruck) Umgang im Team. Wenn es bei Scotland Yard wirklich so zugeht, dann gute Nacht! Das kann ich mir irgendwie kaum vorstellen.
Leider sind Edmdunds Passagen zumindest anfangs eher selten und kurz. Später werden sie zum Glück ausführlicher, weshalb bei ihnen auch ein bisschen Spannung bei mir aufkam. Generell gab es für mich aber erheblich zu viele Wechsel zwischen den Schauplätzen und / oder Charakteren. Zum einen habe ich dabei oft die zahlreichen Namen durcheinander gebracht bzw nicht sofort zuordnen können, zum anderen dämpften auch diese Wechsel die Spannung erheblich. Sobald sich ein Funken andeutete, ging es schon wieder an anderer Stelle weiter und die Spannung hatte keine Chance, sich weiter aufzubauen.
Weiterhin fehlte es mir an neuen thrillermäßig grausigen Ideen während der Handlung. Die Ragdoll fand ich cool und wunderbar schaurig und eklig. Doch dabei bleibt es auch. Jemand verbrennt, okay, das lasse ich auch noch durchgehen. Aber sonst? Einer stürzt sich vom Dach, doch erstens ist diese Idee nicht sonderlich innovativ und zweitens war derjenige sowieso ein Unsympath auf ganzer Linie, also für mich kein großartiger Verlust. All das konnte absolut nicht mit dem Aufhänger mithalten.
Daran änderte es auch nichts, dass Wolf selber auf der Todesliste des Killer steht.
Und das, was vermutlich als die große Überraschung am Ende hin gedacht war, hat mich kein Stück überrascht. Nicht, dass ich es geahnt hätte, nein, aber es hat einfach nichts bei mir ausgelöst. Keine Überraschung, keinen Schrecken, kein Staunen. Ich habe es einfach hingenommen, und das ist für ein Thriller-Finale schlichtweg zu wenig.

Ich habe für das Buch ungewöhnlich lange gebraucht, weil ich es zwischendurch tatsächlich mal für zwei Wochen einfach beiseite gelegt habe. Dabei liest es sich wunderbar leicht und flüssig, dank zahlreicher Dialoge, vergleichsweise kurzen Kapiteln und einer recht einfachen Erzählweise. Daniel Coles Schreibstil ist an sich ein Garant dafür, ein Buch mal eben so wegzulesen. Aber es haperte an der Story selber.

Das Cover hat mir sofort gefallen. Düsterer geht es kaum. Die Krähe schimmert und wird erst so richtig sichtbar, wenn man das Buch im Licht betrachtet und dreht. Der Titelschriftzug ist geprägt, was edel aussieht.

Fazit:  Leider habe ich mich be „Ragdoll“ von der begeisterten Masse an Lesern anstecken lassen. Der Aufhänger mit der „Flickenpuppe“ war auch ganz nach meinem Geschmack, doch dann häuften sich die Punkte, die mir die nachfolgende Story verleidet haben. Überwiegend unsympathische Figuren und keinerlei weitere Ideen, die auch nur ansatzweise mit der Ragdoll mithalten konnten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und die „große Überraschung“ gegen Ende hat mir lediglich ein Schulterzucken abgeluchst.


Titel:  Ragodll – Dein letzter Tag
Autor: Daniel Cole
Seiten:  480
Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 978-3548289199
Preis:  € 14,99 (Broschiert)

Mai 07

Neu im Regal – KW 18 / 2017

Kürzlich habe ich eine größere Menge an Büchern zu Tauschticket gegeben (es sind noch welche da, ich heiße dort „pelznase“) und entsprechend einige Tickets gesammelt.
Zwei sind gleich wieder in neue Bücher gewandert. Nun kann es mit „Dämmerhöhe“ losgehen.
Das andere Buch habe ich auf Amazon Marketplace gekauft, nachdem mir die Reportage dazu so gut gefallen hat.

 

 

„Dämmerhöhe (01) – Lautlos“  (Birgitta Elin Hassell & Marta Hlin Magnadottir)

Es war ganz plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht – das Mädchen. Und es hatte Anna ein verlockendes Angebot gemacht: Für ein bisschen mehr Freizeit und die Möglichkeit, noch öfter mit dem Snowboard unterwegs zu sein, muss Anna nur den Namen des Mädchens erraten. Doch als ihr kleiner Bruder schwer erkrankt und sie die Nachbarshündin Píla tot in ihrer Hütte findet, wird Anna klar: Das Mädchen ist nicht, was es vorgibt zu sein. Anna bleibt nur noch wenig Zeit, um das Rätsel zu lösen und das Schlimmste zu verhindern.

„Dämmerhöhe (02) – Eiskalt“ (Birgitta Elin Hassell & Marta Hlin Magnadottir)

Seit einiger Zeit hat Vigdís diese Albträume von einem weinenden Kind mit blutroten Augen. Als sie ihre Großmutter bei einem Gespräch über ungeklärte Todesfälle in der Familie belauscht, beschließt sie zusammen mit Jóhanna, der Sache auf den Grund zu gehen. Auf dem Dachboden finden die beiden ein Kleid und ein altes Foto von einem blondgelockten Mädchen. Doch alle Nachfragen werden von der Großmutter nur mit Schweigen beantwortet. Vigdís hat mehr und mehr das Gefühl, dass die Augen sie auch am Tag verfolgen. Und immer wieder spürt sie eine kalte Kinderhand, die sie irgendwohin führen will. Als Vigdís begreift wohin, ist es fast zu spät.

„Zwei nach Shanghai – 13600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China“ (Paul & Hansen Hoepner)

Ein Zelt, Isomatten und zwei Fahrräder – mehr brauchen Paul und Hansen nicht, um von Berlin nach Shanghai zu radeln. Es wird die Fahrt ihres Lebens, mit Momenten des größten Glücks, aber auch anscheinend ausweglosen Situationen: An der russischen Grenze entgehen sie ganz knapp ihrer Verhaftung, und das schillernde Nachtleben Moskaus zieht sie in ihren Bann. In Kasachstan fliehen sie vor üblen Raufbolden, und nur die Hilfsbereitschaft der Kirgisen kann das vorzeitige Ende ihrer Reise abwenden. China wartet mit Sandstürmen und unheimlichen Polizeibeamten auf, und in einer Jurte im Himalaja werden sie eingeladen, für immer zu bleiben. Ein mutiges und unvergessliches Abenteuer, bei dem der beste Freund nie von der Seite weicht.

Mai 05

Rezension – Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen (Wigald Boning)

Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.

Mit meinem ständigen Drang, zu reisen, raus zu wollen, leben und etwas erleben zu wollen, lag es ohnehin schon nahe, dieses Buch zu lesen. Außerdem mag ich Wigald Boning wirklich gerne. Er gehört für mich zu den Comedians, die diese Bezeichnung mit Fug und Recht tragen, weil er immer mit sehr viel Köpfchen witzig ist. Da spreche ich den meisten anderen sogenannten „Comedians“ rundweg ab.
Ich freute mich also auf ein interessantes und informatives Buch mit vielen Gelegenheiten, auch mal zu schmunzeln oder zu lachen.
Wigald Boning hat also eines Tages vor nicht allzu langer Zeit beschlossen, von nun an im Zelt zu schlafen. Nur zu schlafen! Es sind keine Campingpläne im eigentlichen Sinn, kein allgemeiner Ausstieg aus dem Alltag. Er geht dabei weiterhin seiner Arbeit nach und mal nicht vom Gaskocher zu essen, sondern im Lokal, ist beispielsweise auch erlaubt. Wer eine Campingstory erwartet, ist hier also falsch. Mich hat das nicht gestört, ich fand es im Gegenteil sogar konsequent. Es geht nur um das Schlafen im Zelt. Dabei trifft man zwar auf viele Punkte, die man auch für das reguläre Camping übernehmen kann, aber es geht nicht zentral darum. Und wenn ich so an meine Campingerfahrungen zurückdenke, ist vor allem das Schlafen schon eine heikle und meist unbequeme Angelegenheit. Damit packt Wigald Boning also einen brisanten Teil des Campens an. Ein bisschen schräg ist die Idee natürlich auch, doch für solche Unternehmungen ist er ja nun wirklich bekannt.
Das Buch geht auf alle Punkte rund um das Schlafen im Zelt ein. Von der erforderlichen Ausrüstung, über geeignete Kleidung, das Zusammenleben mit Flora und Fauna bis hin zu der Tatsache, dass mann dabei mitunter offline ist. Und natürlich gibt es Kapitel, in denen von ganz besonderen Zeltplätzen berichtet wird.
Ich fand all das durchweg wirklich interessant, zumal mal eine Menge über Dinge erfährt, die diese Unternehmung ausmachen und über die man sich anfangs vielleicht gar keine Gedanken gemacht hat. Und auch die Kapitel über Ausrüstung, geeignete Kleidung und Körperpflege beispielsweise habe ich mit Interesse gelesen. Vielleicht landet man ja selber auch mal wieder in einem Zelt, da kann man sich hier ein paar Dinge quasi mitnehmen. Auf die eigenen Bedürfnisse angepasst, selbstverständlich. Dass speziell bei der Ausrüstung Markennamen fallen, damit muss man leben. Mich hat es gar nicht gestört. Es wirkt nie wie eine Werbeveranstaltung, und wenn ich mir vorstelle, ein Leser plant vielleicht auch mal eine Campingtour, kennt sich aber mit alldem nicht aus, dann hat er hier einige Anhaltspunkte. Abgesehen davon: wem wäre denn damit gedient, es stände da zB „M…..t“ oder „Elefant“, statt „Mammut“? Na also!
Unterhaltsam und auch etwas verrückt fand ich die Schilderungen von den ausgefallenen Zeltplätzen, auf denen Wigald Boning genächtigt hat. Das ist -wenn man es sich bildlich vorstellt-  schon oft etwas verrückt, aber im postiven Sinne. Dennoch gibt es auch Erlebnisse, die wenig erfreulich waren. Auch diese kommen ausführlich zur Sprache, was hier und da sogar ein bisschen spannend ist.
Und ja, es gab für mich tatsächlich massig Gelegenheiten zum Schmunzeln und Lachen. Wigald Bonings Erzählweise ist einfach so clever-gewitzt und amüsant, dass ich nicht umhin kam, häufig vor mich hin zu kichern.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es aber doch für mich. Es gibt nämlich einige, sehr wenige Passagen, in denen Wigald Boning auf mich arg arrogant wirkte. Das hat mich stuzig gemacht und auch ein bisschen gestört, weil ich finde, dass er das absolut nicht nöitg hat. Er ist natürlich bekannt, meinetwegen auch ein Promi, aber ich habe ihn immer als am Boden geblieben empfunden. Daher habe ich mich an diesen Stellen schon gewundert.

Auf Wigald Bonings Schreibstil muss man sich einlassen können. Er erzählt intelligent und gewandt. Da trifft man durchaus häufig Formulierungen an, die einem im normalen Sprachgebraucht eher nicht begegnen. Eben typisch Boning. Wer ihn aus dem Fernsehen kennt, er wird verstehen, was ich meine. Genau deshalb hat mir die Lektüre aber auch so viel Spass gemacht. Die Kapitel lasen sich weg wie nichts. Dafür haben sie genau die richtige Länge. Ich hatte beim Lesen auch immer Wigald Bonings markante Stimme im Ohr, und auch wenn er im TV zu sehen ist, hat er mich alleine damit immer schon am Schlafittchen.

Das Covermotiv zeigt ihn mit seinem Zelt an seinem allerersten Zeltplatz. Wie üblich ziemlich ausgefallen gekleidet und einfach sympathisch. Mit dem Motiv wird sofort deutlich, um was es in diesem Buch geht. Und es macht neugierig darauf, wo er sein Zelt wohl noch alles ausgestellt und was er dabei erlebt und festgestellt hat.

Fazit:  Mir hat „Im Zelt“ vom Anfang bis zum Ende hin gefallen. Interessant, informativ, unterhaltsam und einige Male durchaus spannend. Zudem höchst amüsant erzählt. So hat es mir sehr viel Spass gemacht, über Wigald Bonings Abenteuer im Alltag zu lesen. Wer seinen Humor mag, ein Faible für Schräges hat und den Themen „Zelt“ und „draußen schlafen“ nicht abgeneigt ist, kann hier unbesorgt zugreifen.


Titel: Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen
Autor: Wigald Boning
Seiten: 272
Verlag: rororo by Rowohlt
ISBN: 978-3499631948
Preis: € 10,99 (TB)

Mai 02

Rezension – Erwin, Enten und Entsetzen (Thomas Krüger)

Erwin Düsediekers Freundin Lina Fiekens ist verschwunden. Sie wollte ihre Schwester auf der Insel Oddinsee besuchen. In den Zeitungen wird von einer unbekannten Toten berichtet. Erwin muss in den Norden, ans Meer, um sie zu finden. Selbstverständlich reist Erwin nicht ohne seine Laufenten Lothar und Lisbeth und deren Nachwuchs Alfred. Auf Oddinsee erleben sie eine Welt voller Mythen & Morde.

Trotz des schon recht unheilvollen Prologs wirkt im ersten Kapitel von „Erwin, Enten & Entsetzen“ alles noch eher harmlos. Man erfährt, dass Lina ihre Schwester auf der Insel Oddinsee besuchen gefahren ist, dass Erwin daher -bis auf seine Enten- alleine zuhause ist und wie es dazu kam, dass Lina diese Reise unternahm. Erwin hatte dabei zwar von Anfang an kein gutes Gefühl, doch das schiebt man als Leser zum Großteil auch darauf, dass Erwins Welt bisher nicht über die Grenzen seines Dorfs hinausreichte.
Doch dann ist da die Anzeige in der Zeitung: auf der Insel hat es einen Mord gegeben. Der Mörder ist unbekannt, ebenso die Identität der Toten. Obwohl ich es mir nicht vorstellen konnte (und auch nicht wollte) kam mir da doch, gleichzeitig mit Erwin, als erstes Lina in den Kopf.
Dann geschieht etwas noch Unglaublicheres: gemeinsam mit den Enten, Arno und Hilde macht er sich auf den Weg nach Oddinsee. Das wirkt dann schon irgendwie ein bisschen schräg, zumal man Erwin bisher niemals anderswo als in Bramschebeck und umliegenden westfälischen Nestern erlebt hat. Allerdings zeigt es für mich auch, dass Erwin sich entwickelt, dass er wagemutiger wird und sich trotz vieler Widrigkeiten auch in der Fremde zurechtfindet. Mit kleineren Problemchen hier und da, aber doch mit offenem Sinn Neuem gegenüber. Das kommt in dieser Geschichte wirklich gut und deutlich rüber. Trotzdem bleibt Erwin aber auf der anderen Seite noch der liebenswerte, etwas einfältige Mensch, den ich seit seinem ersten Abenteuer ins Herz geschlossen habe.
Die Insel wird einerseits wirklich schön beschrieben, andererseits aber auch fremd und rätselhaft. Man kann sich von Anfang an vorstellen, dass sich hier Ungeheuerliches abspielen kann bzw bereits abgespielt hat. Dieser Eindruck entsteht vornehmlich dadurch, dass Erwin seine Entdeckungen immer wieder mit Texten aus seinen Büchern, aus Mythen und Legenden, in Verbindung bringt. Immer mal wieder sind beispielsweise Teile aus Homers Odysee eingestreut, die Lina und Erwin vor Linas Reise gelesen haben. Das sorgt für eine düstere Stimmung.
Allerdings gibt es auch ganz handfeste Vorfälle und Entdeckungen auf Oddinsee, die einen schaudern lassen. Der Mörder geht brutal vor und bei gewissen Funden, die Erwin macht, kann man sein Grauen nur allzu gut nachvollziehen. Dabei gerät er an einige unheimliche Orte, speziell zum Ende hin. Da habe ich ehrlich gestaunt, denn mit so etwas hatte ich nicht gerechnet.
Am Ende dann wächst Erwin wahrlich über sich hinaus, das hätte ich ihm nie zugetraut. Obwohl ich schon bemerkt habe, dass er sich zusehends mausert, sich immer mehr traut und gewitzter kombiniert, hat er mich hier doch so richtig beeindruckt. Dabei sieht es am Ende nicht gut für ihn aus, gar nicht! Da muss man tatsächlich um sein Leben bangen. Als hätte es noch nicht gereicht, dass man die ganze Zeit zuvor schon Angst um Lina hatte!
Immer an Erwins Seite ist natürlich auch wieder seine kleine Laufentenfamilie. Ihr Wesen und Verhalten ist ein wenig merkwürdig, wenn man sie als Mensch betrachtet, doch oft steckt hinter diesen Eigenarten dann doch mehr als man dachte. Ich finde es immer irgendwie beruhigend, wenn geschildert wird, wie die Enten durch ihr eher einfaches Leben gehen. Es ist eben ein kleiner Einblick in eine Welt, die von unserer ein ordentliches Stück entfernt ist. Über Entensohn Alfred habe ich wieder einige Male lachen müssen. Der Kleine bringt so richtig schön Schwung in die kleine Gesellschaft, die nach Oddinsee reist.

Wie gewohnt liest sich auch dieser Fall für Erwin, seine Freunde und die Enten nicht unbedingt zügig. Nicht mal, nachdem ich bereits zwei dieser Bücher gelesen habe. Der Schreibstil ist schon gewöhnungsbedürftig und speziell, darauf muss man sich einlassen können. Das bedeutet mitunter auch, dass man hier und da mal ein zweites oder drittes Mal über einen Satz oder Absatz nachdenken muss. Oder sie eben noch ein weiteres Mal lesen muss. Und daran bin ich bei der Reihe zum Glück schon sehr gut gewöhnt. Es macht auch irgendwo den Charme der Reihe aus und passt gut zu Erwins Gedankenwelt, die oft auch nicht die Einfachste ist.

Das Covermotiv ist einmal mehr gnadenlos niedlich mit den drei Enten, die da über den Bootsrand schauen. Dass das Boot auf den Namen Lina getauft wurde, macht deutlich, wer in dieser Geschichte eine wichtige Rolle spielt, um wen sich hier alles dreht. Darüber spannt sich ein herrlich blauer Himmel. Das Motiv hat aber auch etwas Einsames, Verlassenes an sich. In der vorderen Klappe der Broschur findet man eine Karte von Oddinsee mit Orten, die in der Geschichte erwähnt werden. Witzig ist die Form der Insel.

Fazit: Einmal mehr ein spannender und grausiger Fall für Erwin, seine Freunde und die Enten. Dieses Mal weit weg von Bramschbeck, was man speziell Erwin bislang kaum zugetraut hat. Mich hat es auch überrascht, aber es hat mir auch gefallen. Es zeigt nämlich, dass sich Erwin weiterentwickelt, dass mehr in ihm steckt als man bislang dachte und dass er auch anderswo als in seinem Dorf mutig und clever ermitteln kann. Düstere Szenen und schaurige Enteckungen sorgen ebenso für Spannung wie die stetige Angst um Lina. Das Ende hat mich wirklich überrascht und um Erwin bangen lassen. Rundum ein gelungenes Abenteuer für Erwin & Co.


Titel: Erwin, Enten und Entsetzen
Autor: Thomas Krüger
Seiten: 368
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453418769
Preis: € 9,99

Apr 28

Rezension – AchtNacht ( Sebastian Fitzek)

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, dass ich totaler Fitzek-Fan bin. Er gehört zu den wenigen Autoren, von denen ich fast (dieses Kinderbuch kommt mir nicht ins Haus!) alles lese und dessen Bücher ich monate vorab bestelle und meist auch in einem Rutsch lese.
Bei „AchtNacht“ hat es mich außerdem gefreut, dass es bei Knaur erschienen ist. Ich habe nie verstanden, was das Lübbe-Intermezzo sollte, und die dort erschienen Bücher passten auch nicht ganz in mein Beuteschema.
Entsprechernd habe ich auf „AchtNacht“ hingefiebert wie wild. Zumal es vom Klappentext her genau mein Fall zu sein schien. Das war es dann zum Glück auch. Da kann man mich nun für verrückt oder meinetwegen auch krank halten, ich liebe die Idee dieser Todeslotterie. Und es hat mir riesigen Spass gemacht, zu verfolgen, was sich daraus alles entwickelt. Ja, ich stehe auf solch kranke Ideen! Hat schließlich nicht jeder schnell jemanden im Kopf, von dem er meint, dass sich die Welt auch ohne diese Person gut weiterdrehen würde? Darüber kann man dann beim Lesen nochmal gründlich nachdenken. Denn ich halte es nicht nur für möglich, dass einer verrückten Person sowas einfallen könnte, sondern auch für äußerst wahrscheinlich, dass ein solches Spiel solche Folgen haben würde. Ich traue es der Spezies Mensch zweifellos zu. Und was sich hier ereignet ist durchaus erschreckend. Gerade, weil es so glaubhaft wirkt.Da kommt man dann eben doch nochmal ins Grübeln.
Spannend ist die Geschichte ebenfalls, meistens jedenfalls. Ich war schon neugierig, ob Ben es schaffen würde, seinem Schicksal zu entkommen. Ob er aufdecken würde, wer eigentlich warum auf die Idee dieser Lotterie gekommen ist. Ob er seine Tochter retten würde. Welche Rolle Arezu eigentlich spielt. Und wie all die anderen größeren und kleineren Begebenheiten letztlich zusammenhängen würden. Der Weg zu all diesen Antworten ist rasant, meistens jedenfalls.
Nun fragt sich vielleicht der eine oder andere, wie es zu dieser Einschränkung „meistens“ in den Punkten Spannung und Tempo kommt.  Das ist ganz einfach zu erklären. Für mich hatte die Story einfach auch einige Längen, zu ausführliche Szenen und vor allem auch Sequenzen, bei denen ich beim besten Willen nicht verstanden habe, wieso sie sein mussten. So eine wahnsinnige Bedeutung haben sie später nämlich wirklich nicht. Überhaupt hatte ich im Ganzen das Gefühl, dass die Story sich etwas zog. Ich bin mir sicher, das wäre hier und da auch kürzer gegangen, ohne dass einem etwas gefehlt hätte. Da bleiben Spannung und Tempo halt schnell mal auf der Strecke.
Das Ende bzw die Auflösung von „AchtNacht“ fiel mir dann obendrein auch noch zu wenig clever und gewandt aus. Das kenne ich von anderen Fitzek-Thrillern anders und auch besser. Sie kommt zwar überraschend, ist auch erschreckend und lässt einen nochmal ins Grübeln über gewisse eigene Verhaltensweisen kommen, aber irgendwie hat mir dieser besondere Dreh, das gewisse Etwas gefehlt.
Was meinen allgemeinen Eindruck vom „AchtNacht“ verstärkt hat. Nämlich, dass es wie mit der heißen Nadel gestrickt wird.

Vom Schreibstil her unterscheidet es sich nicht von seinen „Kollegen“. Sebastian Fitzeks Art zu schreiben, fesselt mich immer innerhalb von Sekunden und auch hier hat das -bis auf besagte Längen- wieder einwandfrei funktioniert. Die meisten Seiten flogen nur so dahin und die Kapitel sind meist so knackig kurz, dass man einfach jedes Mal denkt: ach, eines noch! Und dann ist man plötzlich schon am Ende angekommen.

Das Cover gefällt mir ebenfalls. Es ist ein Hingucker mit dem Schwarz und dem kräftigen Rot. Man fragt sich sofort, was es mit der Acht auf sich hat, die ja auch im Titel vorkommt. Auch die Innenseiten der Broschur sind düster und schwarz-rot gestaltet und machen erst recht neugierig auf die Story.

Fazit:  Diese Todeslotterie war absolut nach meinem Geschmack, sowas (mancher mah vielleicht sagen „Krankes“) liebe ich. Zu weiten Teilen fand ich „AchtNacht“ auch spannend und atemlos rasant, aber es hatte auch seine Längen. Und das kenne ich von Fitzek-Thrillern bislang gar nicht. Für mich gab es einiges, was man getrost hätte weglassen können. Ncht weil ich es zu grausig fand, sondern weil es der Geschichte im Weiteren kaum bis gar nicht gedient hat. Und insgesamt wirkte die Geschichte auf mich aus wie mit der heißen Nadel gestrickt, zu wenig ausgefeilt.  Als hätte jemand gesagt, man brauch Füllstoff zum nächsten Buch und in Sebastian Fitzeks Schublade habe eben noch „AchtNacht“ gelegen.


Titel:  AchtNacht
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten:  416
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426521083
Preis:  € 12,99 (Broschiert)

Apr 26

Neu im Regal! – KW 17

Heute war ich im Thalia ein bisschen stöbern. Auf ein bestimmtes Buch war ich dabei nicht aus, aber dann entdeckte ich dieses hier, auf das ich schon seit einer kleinen Weile ein Auge geworfen habe.
Ich bin kein Fan von den Personen, die sich heute „Comedians“ nennen, aber -in meinen Augen- sonst nichts auf dem Kasten haben. Was man eben so oft auch an ihren Programmen merkt.
Wigald Boning und seinen Humor dagegen mag ich, einfach weil man dabei immer raushört, dass er ein verdammt helles Köpfchen ist.
Entsprechend denke ich, dass dieses Buch mein Fall sein wird. Thematisch ist es das sowieso schon.

 

„Im Zelt – Von einem, der auszog um draußen zu schlafen“ (Wigald Boning)

Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.

Apr 22

Rezension – Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders (Arno Strobel)

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben in vergangenen Rezensionen: Arno Strobels Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab. Einer so richtig gut, der nächste eher weniger, der folgende wieder besser usw. Somit bin ich immer gespannt, was der neue Thriller bereithält.
Zu „Tiefe Narbe“ muss ich vorausschicken, dass es wohl der Erstling einer Trilogie ist. Und ich habe in den letzten ein, zwei Jahren eine dicke Aversion gegenüber Reihen entwickelt. Einfach, weil es gefühlt keinen für sich alleine stehenden Roman mehr gibt. Entsprechend bin ich nicht sonderlich angetan von dem Gedanken, auch von Arno Strobel irgendwann eine Reihe im Regal stehen zu haben.
Nun zur Geschichte bzw zunächst zu den Figuren, mit denen man es ja dann wohl noch zwei weitere Bücher lang zu tun haben wird. Max Bischoff gefiel mir von Anfang an. Er hat für mich eine sympathische Art an sich, ist clever und denkt tatsächlich sehr modern bei seinen Ermittlungen. So etwas mag ich einfach, alles „Altmodische“ ist nicht so mein Fall. Daher mochte ich ich Max wirklich schnell. Sein Kollege Horst Böhmer ist dagegen mehr vom alten Schlag. Das ist zwar ein heftiger Kontrast, der alleine schon für Zündstoff sorgt, allerdings hat er mich mit seiner muffigen Art, der Unfreundlichkeit Max gegenüber und seinen oft so überflüssigen, bissigen Bemerkungen relativ schnell auch tierisch genervt. Solche Figuren halte ich nur sehr schwer aus und ich habe es deshalb sehr begrüßt, dass der Fall schnell in den Mittelpunkt rückte. Endlich ging es vornehmlich darum, das Rätsel um den Mann, die totgeglaubte Frau und den Mörder aufzuklären, statt sich wie im Kingergarten zu bekriegen.
Den Fall selber fand ich ausgesprochen spannend und ich habe lange und gerne mit Max und seinen Kollegen gerätselt. Es gab einige Momente, in denen ich mir schon recht sicher war, wer der Täter ist, doch dann belehrte mich Arno Strobel wieder eines Besseren und das Rätselraten ging weiter.
Für mich sehr erfreulich war dabei, dass es durchaus schauerliche bis eklige Szenen gibt. Ich mag sowas, und solange es nicht übertrieben wird, bin ich davon stets angetan. Ich mag dieses Gefühl und die Gänsehaut dabei.
Es gibt neben den Kapiteln mit der Handlung um Max und Böhmer auch immer mal wieder eingeschobene „Zwischenkapitel“, in denen einem ein Blick in den Kopf des Täters gewährt wird. Ich bin von sowas absolut kein Fan und auch dieses Mal habe ich diese Kapitel sehr großzügig gelesen. Mir waren sie einfach zu…schwülstig. Mir fällt kein besserer Begriff dafür ein, aber „schwülstig“ trifft es für mich gut. Und das, obwohl in diesen Kapiteln reihenweise Gewaltphantasien beschrieben werden.
Gegen Ende wird die Handlung dann nochmal eine Ecke spannender und dramatischer, weil plötzlich eine Person betroffen ist, die Max nahesteht. Keine Frage, das bringt nochmal zusätzlich Brisanz in die Sache und man bangt und hofft nochmal mehr mit Max. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ansonsten dankend auf diese Person hätte verzichten können. Max‘ Wandlung durch diese Person gefiel mir nämlich gar nicht. Plötzlich hätte ich ihm liebend gerne mal ordentlich eine runtergehauen, öfters sogar.
Nachdem man schon während der Geschichte so manche Wendung erlebt hat und feststellen musste, dass man mit seinen Theorien doch wieder falsch lag, bekommt man auch am Ende nochmal einen feinen Dreh geboten. Das hat mir gefallen.
Mir hat übrigens auch gefallen, wie es mit oben erwähnter Person am Ende ausgeht. So jemanden braucht niemand, wenn er sowas aus jemandem wie Max macht. Punkt!

Wie immer bei Thrillern von Arno Strobel liest sich das Buch flüssig und unterhaltsam. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, da liest man vor dem Schlafen schnell mal eines mehr als geplant. Und auch wenn ich sie nicht mochte, so sorgen die Kapitel im Kopf des Täters doch für eine Auflockerung.

Wie gewöhntlich bei Arno Strobels Thrillern ist das Cover vornehmlich in Schwarz gehalten mit einem farblich kontrastreichen Schriftzug.
Das Versprechen, dass das Buch einen Blick in den Kopf des Mörders gewährt, macht genauso neugierig wie die Gestalt oben auf dem Cover.

Fazit:  Ein spannender Fall mit vielen Wendungen, die einen immer wieder zu überraschen wissen. Hier und da geht es ein wenig schauerlich zu und manche Beschreibung kann man vielleicht auch schon eklig nennen, aber ich mag sowas. Max gefiel mir auf Anhieb und ich bin froh, ihn so wohl auch in Band 2 der Trilogie wieder anzutreffen. Wobei ich nachwievor enttäuscht bin, dass auch Arno Strobel nun mit auf diesen nervigen Reihen-Trend aufspringt.


Titel: Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596296163
Preis: 9,99 (TB)

Feb 10

Rezension – Hunde beschäftigen mit Martin Rütter (Martin Rütter)

In Martin Rütters neuem Buch ist für jede Rasse und jeden Charakter etwas dabei. Beute-, Schnüffel-, Bewegungs- und Denkspiele bieten unendliche Möglichkeiten für Beschäftigung auf dem Spaziergang oder zu Hause. Der Hundeprofi gibt Tipps, wie man die Motivation weckt, das Training aufbaut und Belohnungen einsetzt. Auch mögliche Gefahren kommen nicht zu kurz. So macht das Spiel im Mensch-Hund-Team nicht nur Spaß, es fördert auch die Bindung und macht beide Partner glücklich.

Nein, ich habe nachwievor keinen Hund. Aber ich bin nachwievor überzeugt von Martins Rütters Training für Mensch und Hund.
Entsprechend kam ich auch an diesem Buch von ihm nicht vorbei.

 

Grob gliedert es sich in vier Kapitel:  Beschäftigung für jeden Hund – Je nach Veranlagung – Aufbau des Hundetrainings – Spielideen, für jeden etwas dabei

„Beschäftigung für jeden Hund“ – Hier wird zunächst verdeutlicht, wieso Hunde unbedingt Beschäftigung brauchen. Dabei wird Bezug darauf genommen, welche Jobs gewisse Rassen früher hatte, sodass es dem Leser einleuchtend wird, wieso welche Beschäftigung gut für bestimmte Rassen sind. Wenn man etwas (dazu) lernt bzw lernen möchte, dann muss man schließlich auch das „Warum“ verstehen Ausserdem erfährt man in diesem Kapitel, wie der Tag mit dem Hund in Sachen Beschäftigung getaktet sein sollte. Wieviel Beschäftigung ist nötig, wie lange am Stück und warum es auch Zeiten der Entspannung geben muss. Und natürlich wird hier einmal mehr aufzeigt, wie gut Beschäftigung mit dem Hund auch für den Menschen ist. Ich fand dieses Kapitel vor allem deshalb so gut, weil ich denke, dass sich längst nicht jeder angehende Hundehalter wirklich Gedanken darüber macht, was sein neuer Hausgenosse an Beschäftigung braucht. Es wird hier schon sehr deutlich, wieso Beschäftigung so wichtig ist und es ist dabei unverkennbar, dass diese eben auch Zeit und Aufwand bedeutet.

„Beschäftigung je nach Veranlagung“ – In diesem Kapitel werden zunächst verschiedene Rassegruppen aufgeführt wie zB Gesellschaftshunde, Treibhunde, Hütehunde etc. Kurz wird erläutert, wozu diesen Rassen gezüchtet wurden. Anschließend findet man jeweils Vorschläge für geeigenete Beschäftigungen. So kann man sich schon mal einlesen, was dem eigenen Hund entspricht. Weiterhin geht es in diesem Kapitel darum, die Körpersprache des Hunde kennenzulernen und sie deuten zu können. Das finde ich deshalb wichtig, weil der Hund so auch Signale darüber gibt, wie er mit der aktuellen Beschäftigung klarkommt. Und dass es keinen Sinn macht, einen Hund zu beschäftigen, wenn dieser damit überfordert ist, daran keinen Spass hat etc , sollte jedem klar sein. Spätestens nach diesem Kapitel. Zuletzt bekommt man noch einige Informationen dazu, wie man Welpen beschäftigt und wie man Hunderenter beschäftigt, sodass klar wird, Beschäftigung ist ein Hundeleben lang notwendig.

„Aufbau des Hundetrainings“ – Hier wird es nun schon deutlich praktischer. Man lernt, wie das Training aufgebaut sein sollte um zum Ziel zu kommen. So hat man einen guten ersten Leitfaden an der Hand. Danach wird darauf eingegangen, wie der Hund lernt. Auch das finde ich wichtig zu wissen, denn wenn man völlig am Hund vorbei trainiert, gar nicht weiß, wie er etwas lernt, kann einfach schnell viel schiefgehen. Belohnungen sind hier ebenfalls ein Thema, denn eine Belohnung muss nicht immer ein Leckerchen sein. Da das sicher der erste Gedanke eines Hundehalters ist, ist es gut, hier auf weitere Belohnungsformen aufmerksam gemacht zu werden. Denn oft muss es für den Hund gar kein Leckerchen sein, es gibt auch viele andere Varianten einer Belohnung. Zuletzt geht es hier noch darum, mehrere Hunde zu trainieren. Worauf kommt es dabei an? Was sollten die Hunde zuvor lernen bzw können.

„Spielideen – Für jeden etwas dabei“ – Hier sind zahlreiche Spielideen aufgeführt. Es wird erläutert, inwiefern sie für den Hund gut sind (beispielsweise um Selbstbewusstsein zu erlangen oder auch um die Orientierungsfähigkeit zu fordern und fördern). Dabei wird stets erklärt, was genau für diese Spiele notwendig ist, und wieso eigentlich. Jeder Spielidee-Abschnitt beginnt mit leichten Übungen, steigert sich dann aber in Sachen Herausforderung. So kann man sich daran entlang arbeiten, wenn die ersten Übungen gut laufen und man sich dann steigern möchte. Dieses Kapitel ist mit Recht das Umfangreichste, denn alle Theorie nutzt nichts, wenn der Hundehalter zu wenig Phantasie, zu wenige Ideen hat um seinen Hund zu beschäftigen.

Wie von den Büchern dieser Reihe bekannt, findet man auch in diesem Buch zahlreiche erklärende Bilder, die nochmal zusätzlich veranschaulichen, was in den Texten erklärt und beschrieben wird. Hier sieht man, wie Beschäftigung mit dem Hund aussehen kann und ich finde, das motiviert doch ganz schön, es selbst mal mit seinem Hund auszuprobieren. Nebenbei sind die Bilder so schön, dass es sich alleine dafür schon lohnt, das Buch mal durchzublättern. Sicher bleibt man wegen des einen oder anderen Bildes mal hängen, liest und lernt so (dazu).
Trotzdem ist es ratsam, von vorne mit dem Buch anzufangen.

Fazit: Einmal mehr ein interessantes Buch, das anhand zahlreicher Beispiele aufzeigt, wieso Beschäftigung so wichtig für den Hund ist, wonach sie sich richten sollte und worauf man bei der Auswahl achten sollte. Damit lernt man seinen Hund ja auf gewisse Weise auch nochmal neu kennen und macht sicher die eine oder andere lohnende Entdeckung, wie das Zusammenleben von Mensch und Hund noch schöner und intensiver werden kann. Für beide Seiten, denn auch darauf wird hier wieder Wert gelegt: auch der Mensch muss seinen Teil beitragen.


Titel: Hunde beschäftigen mit Martin Rütter
Autor: Martin Rütter
Seiten:  160
Verlag: Kosmos Verlag
ISBN: 978-3440144589
Preis: 19,99 (HC)

Jan 26

Rezension – Evolution – Die Stadt der Überlebenden (Thomas Thiemeyer)

Ahnungslos reisen Lucie und Jem mit einer Austauschgruppe in die USA. Doch als ihr Flugzeug am Denver Airport notlandet, wird ihnen schnell klar: Die Welt, wie sie sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Flugbahn überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Sogar die Tiere scheinen sich gegen sie verschworen zu haben: Wölfe, Bären, Vögel greifen die Jugendlichen immer wieder in großen Schwärmen an. Was ist bloß geschehen? Während ihrer gefahrvollen Reise durch die neue Welt erfahren sie von einem Kometeneinschlag. Und von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Aber wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat?

Man kann nicht immer nur „Altlasten“ aufarbeiten, daher gibt es heute eine Besprechung zu einem Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Es sprach mich in der Buchhandlung mit seinem tollen Cover und dem verheißungsvollen Klappentext sofort an.
Anfangs hatte ich noch ein paar Bedenken, denn man muss binnen kürzester Zeit mit einer ganzen Reihe Figuren klarkommen und sie einordnen. Ich habe damit oft meine Schwierigkeiten und auch hier dachte ich, dass ich all die Figuren kaum jemals auf die Reihe bekommen würde. Letztlich hat das dann aber doch gut geklappt. So richtig lernt man erstmal Jem und Lucie kennen und dann kommen -speziell nach der Bruchlandung- nach und nach auch die übrigen Jugendlichen dazu, sodass ich recht bald wusste, wen ich in den Szenen jeweils „vor mir“ hatte. Insgesamt fand ich alle Jugendlichen ganz sympathisch und es hat mir besonders gefallen, wie unterschiedlich sie sind. Damit hat man ein Team mit vielen verschiedenen Fähigkeiten an der Hand, aber natürlich auch mit Konflitpotenzial. Das fand ich ganz authentisch und es trägt so auch zur Spannung bei.
Noch spannender war für mich aber die Frage, was überhaupt passiert ist. Wieso ist das Flugzeug abgestürzt?  Vor allem auch, wo ist es eigentlich abgestürzt? Und später dann -zur kompletten Verwirrung- wann ist es abgestürzt?
Das Wo wird schnell geklärt und unter dem Namen der Stadt kann sich sicher jeder auch etwas vorstellen. Das Erstaunliche ist, wie es dort inzwischen aussieht. Ich habe ja eine arge Schwäche für Geschichten mit einem gewissen Endzeitflair, und das hat auch dieser erste Band klar an sich. Dass die Natur sich solche verwaiste Orte über kurz oder lang zurückholt, ist nur natürlich.Es war schon richtig cool, mit Jem, Lucie und den anderen an solch einem Ort unterwegs zu sein.
Wovon ich dagegen überhaupt kein Fan bin ist, wenn diese Natur zu sehr zum zentralen Thema wird. Soll heißen, ich hätte das Buch sicher irgendwann weggelegt, wenn es nur noch um Tiere, Pflanzen, Dschungel und das Überleben gegangen wäre. Doch so sehr das ganze Setting auch wie aus der Zeit gefallen wirkt, es tauchen immer wieder sehr moderne, meist auch futuristische Elemente auf. Wie zB Hologramme, eine Art Roboter, verschiedene Gerätschaften, und für sowas habe ich halt ein totales Faible! Endlich mal eine endzeitlich anmutende Geschichte, die nicht total altmodisch wirkt! Toll!
Ich konnte das Buch also wirklich sehr lange kaum aus der Hand legen. Die Geschichte war für mich sehr lange sehr spannend: die Abenteuer und die Ereignisse, denen Jem, Lucie und Co. sich stellen müssen, die Gefahr durch gewisse „Lebewesen“ und natürlich das Rätsel, was eigentlich überhaupt passiert ist! Gewürzt mit diesen besagten futuristischen Elementen war das einfach total mein Ding!
Und dann kam das, was der Titel eigentlich schon verrät. Ich hätte also zumindst gewarnt sein müssen. War ich aber nicht und deshalb kam die Keule dann auch. Genau mit Kapitel 46. Eine Midgardschlange, ein Meister sowieso, Alrik und Ragnar, gekleidet in Wolfsfellen und alte Legenden. Himmel, bis dahin war doch alles so modern und teilweise wissenschaftlich trotz der Umstände. Kann das denn nicht einmal so bleiben? Was sollte dieser steinzeitliche Einschlag jetzt plötzlich?
Tja, und so haben mir die letzten Kapitel bedeutend weniger Spass gemacht als ihre Vorgänger. Und derbe enttäuscht war ich eben auch. Ich kann sowas Altmodisches, Steinzeitliches schlichtweg nicht ab und finde ich nur langweilig.

Wie schon geschrieben bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Jedenfalls bis Kapitel 46. Das Buch ist einfach toll geschrieben. Einerseits ganz locker weg, aber ohne dass dabei Spannung und Amtosphäre jemals auf der Strecke blieben. Sogar gegruselt habe ich mich ab und zu, was gerade dann toll ist, wenn man abends im Bett liest. Die Kapitel sind weder zu kurz, noch zu lang. Immer wieder wurde ich verleitet ‚eins noch‘ zu lesen, woraus dann doch deutlich mehr wurden. Richtig toll!

Das Cover finde ich immer noch genial. Dieses kräftige Grün ist ein echter Blickfang, die stehengelassenen Autos und überwucherten Gebäude verbreiten Endzeitstimmung und das Tier auf der Straße macht ebenso neugierig wie die Jugendlichen im Vordergrund. Der imposante Titelschriftzug tut ein Übriges dazu.

Fazit: 45 von 61 Kapiteln entsprach „Evolution – Die Stadt der Überlebenden“ genau meinem Geschmack. Spannend, atmosphärisch, leicht gruselig mit endzeitlichem Einschlag und trotzdem wunderbar modern und futuristisch. Zu 100 Prozent genau mein Ding! Und dann kam leider der große Bruch damit. Alles Moderne, Futuristische, Wissenschaftliche weg, dafür Legenden, Menschen in Fellen, die in einer Art Höhle leben. Na toll! Alles genau so, wie ich es eben gar nicht mag und wovon ich lange dachte, „Evolution“ würde damit nicht um die Ecke kommen. Es ist daher fraglich, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Sehr, sehr schade.


Titel: Evolution (01) – Die Stadt der Überlebenden
Autor: Thomas Thiemeyer
Seiten: 360
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401601670
Preis: € 16,99 (HC)

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