Apr 28

Rezension – AchtNacht ( Sebastian Fitzek)

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, dass ich totaler Fitzek-Fan bin. Er gehört zu den wenigen Autoren, von denen ich fast (dieses Kinderbuch kommt mir nicht ins Haus!) alles lese und dessen Bücher ich monate vorab bestelle und meist auch in einem Rutsch lese.
Bei „AchtNacht“ hat es mich außerdem gefreut, dass es bei Knaur erschienen ist. Ich habe nie verstanden, was das Lübbe-Intermezzo sollte, und die dort erschienen Bücher passten auch nicht ganz in mein Beuteschema.
Entsprechernd habe ich auf „AchtNacht“ hingefiebert wie wild. Zumal es vom Klappentext her genau mein Fall zu sein schien. Das war es dann zum Glück auch. Da kann man mich nun für verrückt oder meinetwegen auch krank halten, ich liebe die Idee dieser Todeslotterie. Und es hat mir riesigen Spass gemacht, zu verfolgen, was sich daraus alles entwickelt. Ja, ich stehe auf solch kranke Ideen! Hat schließlich nicht jeder schnell jemanden im Kopf, von dem er meint, dass sich die Welt auch ohne diese Person gut weiterdrehen würde? Darüber kann man dann beim Lesen nochmal gründlich nachdenken. Denn ich halte es nicht nur für möglich, dass einer verrückten Person sowas einfallen könnte, sondern auch für äußerst wahrscheinlich, dass ein solches Spiel solche Folgen haben würde. Ich traue es der Spezies Mensch zweifellos zu. Und was sich hier ereignet ist durchaus erschreckend. Gerade, weil es so glaubhaft wirkt.Da kommt man dann eben doch nochmal ins Grübeln.
Spannend ist die Geschichte ebenfalls, meistens jedenfalls. Ich war schon neugierig, ob Ben es schaffen würde, seinem Schicksal zu entkommen. Ob er aufdecken würde, wer eigentlich warum auf die Idee dieser Lotterie gekommen ist. Ob er seine Tochter retten würde. Welche Rolle Arezu eigentlich spielt. Und wie all die anderen größeren und kleineren Begebenheiten letztlich zusammenhängen würden. Der Weg zu all diesen Antworten ist rasant, meistens jedenfalls.
Nun fragt sich vielleicht der eine oder andere, wie es zu dieser Einschränkung „meistens“ in den Punkten Spannung und Tempo kommt.  Das ist ganz einfach zu erklären. Für mich hatte die Story einfach auch einige Längen, zu ausführliche Szenen und vor allem auch Sequenzen, bei denen ich beim besten Willen nicht verstanden habe, wieso sie sein mussten. So eine wahnsinnige Bedeutung haben sie später nämlich wirklich nicht. Überhaupt hatte ich im Ganzen das Gefühl, dass die Story sich etwas zog. Ich bin mir sicher, das wäre hier und da auch kürzer gegangen, ohne dass einem etwas gefehlt hätte. Da bleiben Spannung und Tempo halt schnell mal auf der Strecke.
Das Ende bzw die Auflösung von „AchtNacht“ fiel mir dann obendrein auch noch zu wenig clever und gewandt aus. Das kenne ich von anderen Fitzek-Thrillern anders und auch besser. Sie kommt zwar überraschend, ist auch erschreckend und lässt einen nochmal ins Grübeln über gewisse eigene Verhaltensweisen kommen, aber irgendwie hat mir dieser besondere Dreh, das gewisse Etwas gefehlt.
Was meinen allgemeinen Eindruck vom „AchtNacht“ verstärkt hat. Nämlich, dass es wie mit der heißen Nadel gestrickt wird.

Vom Schreibstil her unterscheidet es sich nicht von seinen „Kollegen“. Sebastian Fitzeks Art zu schreiben, fesselt mich immer innerhalb von Sekunden und auch hier hat das -bis auf besagte Längen- wieder einwandfrei funktioniert. Die meisten Seiten flogen nur so dahin und die Kapitel sind meist so knackig kurz, dass man einfach jedes Mal denkt: ach, eines noch! Und dann ist man plötzlich schon am Ende angekommen.

Das Cover gefällt mir ebenfalls. Es ist ein Hingucker mit dem Schwarz und dem kräftigen Rot. Man fragt sich sofort, was es mit der Acht auf sich hat, die ja auch im Titel vorkommt. Auch die Innenseiten der Broschur sind düster und schwarz-rot gestaltet und machen erst recht neugierig auf die Story.

Fazit:  Diese Todeslotterie war absolut nach meinem Geschmack, sowas (mancher mah vielleicht sagen „Krankes“) liebe ich. Zu weiten Teilen fand ich „AchtNacht“ auch spannend und atemlos rasant, aber es hatte auch seine Längen. Und das kenne ich von Fitzek-Thrillern bislang gar nicht. Für mich gab es einiges, was man getrost hätte weglassen können. Ncht weil ich es zu grausig fand, sondern weil es der Geschichte im Weiteren kaum bis gar nicht gedient hat. Und insgesamt wirkte die Geschichte auf mich aus wie mit der heißen Nadel gestrickt, zu wenig ausgefeilt.  Als hätte jemand gesagt, man brauch Füllstoff zum nächsten Buch und in Sebastian Fitzeks Schublade habe eben noch „AchtNacht“ gelegen.


Titel:  AchtNacht
Autor: Sebastian Fitzek
Seiten:  416
Verlag: Droemer Verlag
ISBN: 978-3426521083
Preis:  € 12,99 (Broschiert)

Apr 26

Neu im Regal! – KW 17

Heute war ich im Thalia ein bisschen stöbern. Auf ein bestimmtes Buch war ich dabei nicht aus, aber dann entdeckte ich dieses hier, auf das ich schon seit einer kleinen Weile ein Auge geworfen habe.
Ich bin kein Fan von den Personen, die sich heute „Comedians“ nennen, aber -in meinen Augen- sonst nichts auf dem Kasten haben. Was man eben so oft auch an ihren Programmen merkt.
Wigald Boning und seinen Humor dagegen mag ich, einfach weil man dabei immer raushört, dass er ein verdammt helles Köpfchen ist.
Entsprechend denke ich, dass dieses Buch mein Fall sein wird. Thematisch ist es das sowieso schon.

 

„Im Zelt – Von einem, der auszog um draußen zu schlafen“ (Wigald Boning)

Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.

Apr 22

Rezension – Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders (Arno Strobel)

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint.

Ich habe es schon mehrfach geschrieben in vergangenen Rezensionen: Arno Strobels Thriller sind für mich ein ziemliches Auf und Ab. Einer so richtig gut, der nächste eher weniger, der folgende wieder besser usw. Somit bin ich immer gespannt, was der neue Thriller bereithält.
Zu „Tiefe Narbe“ muss ich vorausschicken, dass es wohl der Erstling einer Trilogie ist. Und ich habe in den letzten ein, zwei Jahren eine dicke Aversion gegenüber Reihen entwickelt. Einfach, weil es gefühlt keinen für sich alleine stehenden Roman mehr gibt. Entsprechend bin ich nicht sonderlich angetan von dem Gedanken, auch von Arno Strobel irgendwann eine Reihe im Regal stehen zu haben.
Nun zur Geschichte bzw zunächst zu den Figuren, mit denen man es ja dann wohl noch zwei weitere Bücher lang zu tun haben wird. Max Bischoff gefiel mir von Anfang an. Er hat für mich eine sympathische Art an sich, ist clever und denkt tatsächlich sehr modern bei seinen Ermittlungen. So etwas mag ich einfach, alles „Altmodische“ ist nicht so mein Fall. Daher mochte ich ich Max wirklich schnell. Sein Kollege Horst Böhmer ist dagegen mehr vom alten Schlag. Das ist zwar ein heftiger Kontrast, der alleine schon für Zündstoff sorgt, allerdings hat er mich mit seiner muffigen Art, der Unfreundlichkeit Max gegenüber und seinen oft so überflüssigen, bissigen Bemerkungen relativ schnell auch tierisch genervt. Solche Figuren halte ich nur sehr schwer aus und ich habe es deshalb sehr begrüßt, dass der Fall schnell in den Mittelpunkt rückte. Endlich ging es vornehmlich darum, das Rätsel um den Mann, die totgeglaubte Frau und den Mörder aufzuklären, statt sich wie im Kingergarten zu bekriegen.
Den Fall selber fand ich ausgesprochen spannend und ich habe lange und gerne mit Max und seinen Kollegen gerätselt. Es gab einige Momente, in denen ich mir schon recht sicher war, wer der Täter ist, doch dann belehrte mich Arno Strobel wieder eines Besseren und das Rätselraten ging weiter.
Für mich sehr erfreulich war dabei, dass es durchaus schauerliche bis eklige Szenen gibt. Ich mag sowas, und solange es nicht übertrieben wird, bin ich davon stets angetan. Ich mag dieses Gefühl und die Gänsehaut dabei.
Es gibt neben den Kapiteln mit der Handlung um Max und Böhmer auch immer mal wieder eingeschobene „Zwischenkapitel“, in denen einem ein Blick in den Kopf des Täters gewährt wird. Ich bin von sowas absolut kein Fan und auch dieses Mal habe ich diese Kapitel sehr großzügig gelesen. Mir waren sie einfach zu…schwülstig. Mir fällt kein besserer Begriff dafür ein, aber „schwülstig“ trifft es für mich gut. Und das, obwohl in diesen Kapiteln reihenweise Gewaltphantasien beschrieben werden.
Gegen Ende wird die Handlung dann nochmal eine Ecke spannender und dramatischer, weil plötzlich eine Person betroffen ist, die Max nahesteht. Keine Frage, das bringt nochmal zusätzlich Brisanz in die Sache und man bangt und hofft nochmal mehr mit Max. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ansonsten dankend auf diese Person hätte verzichten können. Max‘ Wandlung durch diese Person gefiel mir nämlich gar nicht. Plötzlich hätte ich ihm liebend gerne mal ordentlich eine runtergehauen, öfters sogar.
Nachdem man schon während der Geschichte so manche Wendung erlebt hat und feststellen musste, dass man mit seinen Theorien doch wieder falsch lag, bekommt man auch am Ende nochmal einen feinen Dreh geboten. Das hat mir gefallen.
Mir hat übrigens auch gefallen, wie es mit oben erwähnter Person am Ende ausgeht. So jemanden braucht niemand, wenn er sowas aus jemandem wie Max macht. Punkt!

Wie immer bei Thrillern von Arno Strobel liest sich das Buch flüssig und unterhaltsam. Die Kapitel haben genau die richtige Länge, da liest man vor dem Schlafen schnell mal eines mehr als geplant. Und auch wenn ich sie nicht mochte, so sorgen die Kapitel im Kopf des Täters doch für eine Auflockerung.

Wie gewöhntlich bei Arno Strobels Thrillern ist das Cover vornehmlich in Schwarz gehalten mit einem farblich kontrastreichen Schriftzug.
Das Versprechen, dass das Buch einen Blick in den Kopf des Mörders gewährt, macht genauso neugierig wie die Gestalt oben auf dem Cover.

Fazit:  Ein spannender Fall mit vielen Wendungen, die einen immer wieder zu überraschen wissen. Hier und da geht es ein wenig schauerlich zu und manche Beschreibung kann man vielleicht auch schon eklig nennen, aber ich mag sowas. Max gefiel mir auf Anhieb und ich bin froh, ihn so wohl auch in Band 2 der Trilogie wieder anzutreffen. Wobei ich nachwievor enttäuscht bin, dass auch Arno Strobel nun mit auf diesen nervigen Reihen-Trend aufspringt.


Titel: Tiefe Narbe – Im Kopf des Mörders
Autor: Arno Strobel
Seiten: 368
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596296163
Preis: 9,99 (TB)

Feb 10

Rezension – Hunde beschäftigen mit Martin Rütter (Martin Rütter)

In Martin Rütters neuem Buch ist für jede Rasse und jeden Charakter etwas dabei. Beute-, Schnüffel-, Bewegungs- und Denkspiele bieten unendliche Möglichkeiten für Beschäftigung auf dem Spaziergang oder zu Hause. Der Hundeprofi gibt Tipps, wie man die Motivation weckt, das Training aufbaut und Belohnungen einsetzt. Auch mögliche Gefahren kommen nicht zu kurz. So macht das Spiel im Mensch-Hund-Team nicht nur Spaß, es fördert auch die Bindung und macht beide Partner glücklich.

Nein, ich habe nachwievor keinen Hund. Aber ich bin nachwievor überzeugt von Martins Rütters Training für Mensch und Hund.
Entsprechend kam ich auch an diesem Buch von ihm nicht vorbei.

 

Grob gliedert es sich in vier Kapitel:  Beschäftigung für jeden Hund – Je nach Veranlagung – Aufbau des Hundetrainings – Spielideen, für jeden etwas dabei

„Beschäftigung für jeden Hund“ – Hier wird zunächst verdeutlicht, wieso Hunde unbedingt Beschäftigung brauchen. Dabei wird Bezug darauf genommen, welche Jobs gewisse Rassen früher hatte, sodass es dem Leser einleuchtend wird, wieso welche Beschäftigung gut für bestimmte Rassen sind. Wenn man etwas (dazu) lernt bzw lernen möchte, dann muss man schließlich auch das „Warum“ verstehen Ausserdem erfährt man in diesem Kapitel, wie der Tag mit dem Hund in Sachen Beschäftigung getaktet sein sollte. Wieviel Beschäftigung ist nötig, wie lange am Stück und warum es auch Zeiten der Entspannung geben muss. Und natürlich wird hier einmal mehr aufzeigt, wie gut Beschäftigung mit dem Hund auch für den Menschen ist. Ich fand dieses Kapitel vor allem deshalb so gut, weil ich denke, dass sich längst nicht jeder angehende Hundehalter wirklich Gedanken darüber macht, was sein neuer Hausgenosse an Beschäftigung braucht. Es wird hier schon sehr deutlich, wieso Beschäftigung so wichtig ist und es ist dabei unverkennbar, dass diese eben auch Zeit und Aufwand bedeutet.

„Beschäftigung je nach Veranlagung“ – In diesem Kapitel werden zunächst verschiedene Rassegruppen aufgeführt wie zB Gesellschaftshunde, Treibhunde, Hütehunde etc. Kurz wird erläutert, wozu diesen Rassen gezüchtet wurden. Anschließend findet man jeweils Vorschläge für geeigenete Beschäftigungen. So kann man sich schon mal einlesen, was dem eigenen Hund entspricht. Weiterhin geht es in diesem Kapitel darum, die Körpersprache des Hunde kennenzulernen und sie deuten zu können. Das finde ich deshalb wichtig, weil der Hund so auch Signale darüber gibt, wie er mit der aktuellen Beschäftigung klarkommt. Und dass es keinen Sinn macht, einen Hund zu beschäftigen, wenn dieser damit überfordert ist, daran keinen Spass hat etc , sollte jedem klar sein. Spätestens nach diesem Kapitel. Zuletzt bekommt man noch einige Informationen dazu, wie man Welpen beschäftigt und wie man Hunderenter beschäftigt, sodass klar wird, Beschäftigung ist ein Hundeleben lang notwendig.

„Aufbau des Hundetrainings“ – Hier wird es nun schon deutlich praktischer. Man lernt, wie das Training aufgebaut sein sollte um zum Ziel zu kommen. So hat man einen guten ersten Leitfaden an der Hand. Danach wird darauf eingegangen, wie der Hund lernt. Auch das finde ich wichtig zu wissen, denn wenn man völlig am Hund vorbei trainiert, gar nicht weiß, wie er etwas lernt, kann einfach schnell viel schiefgehen. Belohnungen sind hier ebenfalls ein Thema, denn eine Belohnung muss nicht immer ein Leckerchen sein. Da das sicher der erste Gedanke eines Hundehalters ist, ist es gut, hier auf weitere Belohnungsformen aufmerksam gemacht zu werden. Denn oft muss es für den Hund gar kein Leckerchen sein, es gibt auch viele andere Varianten einer Belohnung. Zuletzt geht es hier noch darum, mehrere Hunde zu trainieren. Worauf kommt es dabei an? Was sollten die Hunde zuvor lernen bzw können.

„Spielideen – Für jeden etwas dabei“ – Hier sind zahlreiche Spielideen aufgeführt. Es wird erläutert, inwiefern sie für den Hund gut sind (beispielsweise um Selbstbewusstsein zu erlangen oder auch um die Orientierungsfähigkeit zu fordern und fördern). Dabei wird stets erklärt, was genau für diese Spiele notwendig ist, und wieso eigentlich. Jeder Spielidee-Abschnitt beginnt mit leichten Übungen, steigert sich dann aber in Sachen Herausforderung. So kann man sich daran entlang arbeiten, wenn die ersten Übungen gut laufen und man sich dann steigern möchte. Dieses Kapitel ist mit Recht das Umfangreichste, denn alle Theorie nutzt nichts, wenn der Hundehalter zu wenig Phantasie, zu wenige Ideen hat um seinen Hund zu beschäftigen.

Wie von den Büchern dieser Reihe bekannt, findet man auch in diesem Buch zahlreiche erklärende Bilder, die nochmal zusätzlich veranschaulichen, was in den Texten erklärt und beschrieben wird. Hier sieht man, wie Beschäftigung mit dem Hund aussehen kann und ich finde, das motiviert doch ganz schön, es selbst mal mit seinem Hund auszuprobieren. Nebenbei sind die Bilder so schön, dass es sich alleine dafür schon lohnt, das Buch mal durchzublättern. Sicher bleibt man wegen des einen oder anderen Bildes mal hängen, liest und lernt so (dazu).
Trotzdem ist es ratsam, von vorne mit dem Buch anzufangen.

Fazit: Einmal mehr ein interessantes Buch, das anhand zahlreicher Beispiele aufzeigt, wieso Beschäftigung so wichtig für den Hund ist, wonach sie sich richten sollte und worauf man bei der Auswahl achten sollte. Damit lernt man seinen Hund ja auf gewisse Weise auch nochmal neu kennen und macht sicher die eine oder andere lohnende Entdeckung, wie das Zusammenleben von Mensch und Hund noch schöner und intensiver werden kann. Für beide Seiten, denn auch darauf wird hier wieder Wert gelegt: auch der Mensch muss seinen Teil beitragen.


Titel: Hunde beschäftigen mit Martin Rütter
Autor: Martin Rütter
Seiten:  160
Verlag: Kosmos Verlag
ISBN: 978-3440144589
Preis: 19,99 (HC)

Jan 26

Rezension – Evolution – Die Stadt der Überlebenden (Thomas Thiemeyer)

Ahnungslos reisen Lucie und Jem mit einer Austauschgruppe in die USA. Doch als ihr Flugzeug am Denver Airport notlandet, wird ihnen schnell klar: Die Welt, wie sie sie kennen, gibt es nicht mehr. Die Flugbahn überwuchert, das Terminal menschenverlassen, lauern überall Gefahren. Sogar die Tiere scheinen sich gegen sie verschworen zu haben: Wölfe, Bären, Vögel greifen die Jugendlichen immer wieder in großen Schwärmen an. Was ist bloß geschehen? Während ihrer gefahrvollen Reise durch die neue Welt erfahren sie von einem Kometeneinschlag. Und von ein paar letzten Überlebenden in einer verschollenen Stadt. Aber wie sollen sie die erreichen, wenn die ganze Erde sich gegen sie verschworen hat?

Man kann nicht immer nur „Altlasten“ aufarbeiten, daher gibt es heute eine Besprechung zu einem Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Es sprach mich in der Buchhandlung mit seinem tollen Cover und dem verheißungsvollen Klappentext sofort an.
Anfangs hatte ich noch ein paar Bedenken, denn man muss binnen kürzester Zeit mit einer ganzen Reihe Figuren klarkommen und sie einordnen. Ich habe damit oft meine Schwierigkeiten und auch hier dachte ich, dass ich all die Figuren kaum jemals auf die Reihe bekommen würde. Letztlich hat das dann aber doch gut geklappt. So richtig lernt man erstmal Jem und Lucie kennen und dann kommen -speziell nach der Bruchlandung- nach und nach auch die übrigen Jugendlichen dazu, sodass ich recht bald wusste, wen ich in den Szenen jeweils „vor mir“ hatte. Insgesamt fand ich alle Jugendlichen ganz sympathisch und es hat mir besonders gefallen, wie unterschiedlich sie sind. Damit hat man ein Team mit vielen verschiedenen Fähigkeiten an der Hand, aber natürlich auch mit Konflitpotenzial. Das fand ich ganz authentisch und es trägt so auch zur Spannung bei.
Noch spannender war für mich aber die Frage, was überhaupt passiert ist. Wieso ist das Flugzeug abgestürzt?  Vor allem auch, wo ist es eigentlich abgestürzt? Und später dann -zur kompletten Verwirrung- wann ist es abgestürzt?
Das Wo wird schnell geklärt und unter dem Namen der Stadt kann sich sicher jeder auch etwas vorstellen. Das Erstaunliche ist, wie es dort inzwischen aussieht. Ich habe ja eine arge Schwäche für Geschichten mit einem gewissen Endzeitflair, und das hat auch dieser erste Band klar an sich. Dass die Natur sich solche verwaiste Orte über kurz oder lang zurückholt, ist nur natürlich.Es war schon richtig cool, mit Jem, Lucie und den anderen an solch einem Ort unterwegs zu sein.
Wovon ich dagegen überhaupt kein Fan bin ist, wenn diese Natur zu sehr zum zentralen Thema wird. Soll heißen, ich hätte das Buch sicher irgendwann weggelegt, wenn es nur noch um Tiere, Pflanzen, Dschungel und das Überleben gegangen wäre. Doch so sehr das ganze Setting auch wie aus der Zeit gefallen wirkt, es tauchen immer wieder sehr moderne, meist auch futuristische Elemente auf. Wie zB Hologramme, eine Art Roboter, verschiedene Gerätschaften, und für sowas habe ich halt ein totales Faible! Endlich mal eine endzeitlich anmutende Geschichte, die nicht total altmodisch wirkt! Toll!
Ich konnte das Buch also wirklich sehr lange kaum aus der Hand legen. Die Geschichte war für mich sehr lange sehr spannend: die Abenteuer und die Ereignisse, denen Jem, Lucie und Co. sich stellen müssen, die Gefahr durch gewisse „Lebewesen“ und natürlich das Rätsel, was eigentlich überhaupt passiert ist! Gewürzt mit diesen besagten futuristischen Elementen war das einfach total mein Ding!
Und dann kam das, was der Titel eigentlich schon verrät. Ich hätte also zumindst gewarnt sein müssen. War ich aber nicht und deshalb kam die Keule dann auch. Genau mit Kapitel 46. Eine Midgardschlange, ein Meister sowieso, Alrik und Ragnar, gekleidet in Wolfsfellen und alte Legenden. Himmel, bis dahin war doch alles so modern und teilweise wissenschaftlich trotz der Umstände. Kann das denn nicht einmal so bleiben? Was sollte dieser steinzeitliche Einschlag jetzt plötzlich?
Tja, und so haben mir die letzten Kapitel bedeutend weniger Spass gemacht als ihre Vorgänger. Und derbe enttäuscht war ich eben auch. Ich kann sowas Altmodisches, Steinzeitliches schlichtweg nicht ab und finde ich nur langweilig.

Wie schon geschrieben bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Jedenfalls bis Kapitel 46. Das Buch ist einfach toll geschrieben. Einerseits ganz locker weg, aber ohne dass dabei Spannung und Amtosphäre jemals auf der Strecke blieben. Sogar gegruselt habe ich mich ab und zu, was gerade dann toll ist, wenn man abends im Bett liest. Die Kapitel sind weder zu kurz, noch zu lang. Immer wieder wurde ich verleitet ‚eins noch‘ zu lesen, woraus dann doch deutlich mehr wurden. Richtig toll!

Das Cover finde ich immer noch genial. Dieses kräftige Grün ist ein echter Blickfang, die stehengelassenen Autos und überwucherten Gebäude verbreiten Endzeitstimmung und das Tier auf der Straße macht ebenso neugierig wie die Jugendlichen im Vordergrund. Der imposante Titelschriftzug tut ein Übriges dazu.

Fazit: 45 von 61 Kapiteln entsprach „Evolution – Die Stadt der Überlebenden“ genau meinem Geschmack. Spannend, atmosphärisch, leicht gruselig mit endzeitlichem Einschlag und trotzdem wunderbar modern und futuristisch. Zu 100 Prozent genau mein Ding! Und dann kam leider der große Bruch damit. Alles Moderne, Futuristische, Wissenschaftliche weg, dafür Legenden, Menschen in Fellen, die in einer Art Höhle leben. Na toll! Alles genau so, wie ich es eben gar nicht mag und wovon ich lange dachte, „Evolution“ würde damit nicht um die Ecke kommen. Es ist daher fraglich, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Sehr, sehr schade.


Titel: Evolution (01) – Die Stadt der Überlebenden
Autor: Thomas Thiemeyer
Seiten: 360
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401601670
Preis: € 16,99 (HC)

Jan 23

Rezension – Die Mühle (Elisabeth Herrmann)

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben? Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus.

Auch dieses Buch habe ich noch 2016 gelesen. Elisabeth Herrmanns Jugendthriller haben mir im Schnitt immer ganz gut gefallen und auch wenn bei diesem Buch von einem All Age-Thriller gesprochen wird, die Hauptfiguren sind für mich noch jung genug um es als Jugendthriller zu verstehen.
Ich muss gestehen, dass ich Lana anfangs nicht wirklich verstanden habe. Wie kommt man dazu, solch eine Einladung einfach anzunehmen? Das ist doch so schon von vorne bis hinten seltsam und undurchschaubar. Außerdem stand sie nie in sonderlich guter Beziehung zu ihren alten Schulkollegen, und da nimmt sie einfach so diese Einladung an und fährt mit ihnen in Wald und Berge? Ich weiß ja nicht. Aber klar, würde sie sich nicht darauf einlassen, hätte die Story keinen Aufhänger. Alleine durch diese Entscheidung wurde ich mit Lana sehr lange nicht richtig warm.
In der kleinen Reisegruppe musste ich mich erst zurechtfinden, wer welche Position hat, wem welche Rolle zukommt und wer welche Charaktereigenschaften mitbringt und was all das für die Gruppe für eine Rolle spielt. Erfreulicherweise ist die Gruppe nicht allzu groß, so ging das Zurechtfinden ziemlich fix. Ich bin ja bekanntlich gar kein Fan davon, mich bei einer ganzen Schar Figuren einfinden zu müssen. Eine gewisse besonders gefährliche Situation bringt das Wesen der einzelnen Figuren außerdem so klar ans Tageslicht, dass man sich spätestens dann klar über die Charaktere ist.
Das Setting mit der alten Mühle entsprach ganz meinem Geschmack. Sie wird wunderbar düster und unheimlich beschrieben, aber genau deshalb auch irgendwie schön und geheimnisvoll. Anfangs fühlte ich mich dort -genau wie die Gruppe- sogar noch auf urige Weise wohl, doch dann geschehen die ersten seltsamen Vorkommnisse. Zunächst sind sie nur eher seltsam, nehmen dann aber schnell an Bedrohlichkeit zu. Als einer der jungen Leute verschwindet, ist der erste Höhepunkt erreicht.
Aber schon vorher gibt es einige Anlässe zum Wundern und auch zum Schaudern. Und natürlich fragt man sich recht schnell, was oder wer dahinterstecken könnte, und warum eigentlich. Ich habe schon in der Gruppe viel herumspekuliert. Es gibt da so manche Gestalt, die ich mir gut als Täter hätte vorstellen können. Doch dann steckte eben genau diese Person wieder in lebensgefährlichen Schwierigkeiten und ich habe ich wieder umorientieren müssen. So blieb es bis zum Schluss wirklich spannend.
Elisabeth Herrmann schont ihre Figuren nicht. Sie geraten in einige wahrlich haarsträubende und gefährliche Situationen, die mehr als einmal schier auswegslos wirken und den Leser an den Fingernägeln knabbern lässt vor Aufregung. Der Gruselfaktor ist dabei mitunter auch recht hoch und ich bin manches Mal bei Geräuschen beim Lesen aufgeschreckt. So gehört sich das für einen Thriller!
Es gibt aber auch den einen oder anderen Punkt, der nicht so nach meinem Geschmack war. Einmal sind es diese häufigen, ausschweifenden Beschreibungen. Geraden wenn es um Gegenden wie einen Wald geht, kann ich damit nichts anfangen und es bremst mich beim Lesen aus. Auch Lanas Gedanken / Erinnerungen fielen mir manches Mal zu ausführlich aus. Weiterhin muss Lana ja wirklich hunderte von Schutzengeln haben. Ja, auch das muss für die Story wohl so sein, aber so richtig glaubhaft wirkte es nicht auf mich.
Insgesamt gesehen sind das jedoch nur Kleinigkeiten, die mir den Spass an der Geschichte nicht nehmen konnten.

Es hat etwas länger als gewöhnlich gedauert bis ich „Die Mühle“ ausgelesen hatte. Wie schon erwähnt haben mich die weitschweifigen Beschreibungen und Gedanken immer mal wieder ausgebremst. Allerdings gibt es auch sehr viele Dialoge, was bei so vielen Figuren ja auch kaum ausbleibt und die widerum ließen sich für mich wunderbar lesen. Die Kapitel sind durchweg ziemlich kurz, was schnell dazu verleitet, dass man sich denkt ‚ach, eines schaffst du noch ehe du schlafen musst‘ und dann war es bei mir doch wieder mehr als eins und ziemlich spät geworden.

Das Cover finde ich einfach genial. So schön finster und so unheimlich irgendwie mit der nur angedeuteten Mühle und den schwarzen Vögeln. Für mich ein echter Blickfang im Regal und ein Motiv, das eine spannende, düstere und unheimliche Story verspricht.

Fazit:  Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat mir „Die Mühle“ sehr gut gefallen. Eine durchweg spannende Story, die ihre Figuren in wahrlich lebensbedrohliche Situationen bringt. Da kann man mehr als einmal mit den Charakteren bangen. Gleichzeitig fand ich die Frage unsagbar spannend, wer warum hinter den Vorkommnissen stecken könnte. Ich habe wirklich bis zur Auflösung gegrübelt, zu kombinieren versucht und verdächtigt. So hat mir „Die Mühle“ wirklich Spass gemacht.


Titel: Die Mühle
Autor: Elisabeth Herrmann
Seiten: 448
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570164235
Preis: € 17,99 (Broschiert)

Jan 19

Rezension – Weisswurstconnection (Rita Falk)

Ein Luxus-Spa-Hotel öffnet seine Pforten, und die Hälfte der Dorfbevölkerung tobt. Als kurz darauf auch noch eine Leiche ausgerechnet in einer Marmorbadewanne dort liegt, muss der Eberhofer freilich wieder ran. Ganz egal, wie geschmeidig es mit der Susi grad läuft. Leider ist der Birkenberger Rudi momentan ein wenig verpeilt – was den Franz vor eine schwere Entscheidung stellt. Bleibt zu hoffen, dass zumindest er den Überblick behält. Oder verrennt er sich dieses Mal tatsächlich ein bisschen?

Endlich habe ich den (nicht mehr ganz) neuen Eberhofer gelesen. Sonst habe ich ihn sofort gelesen, sobald er eintraf. Aber 2016 war einfach kein so gutes Lesejahr bei mir.
Nun aber habe ich ihn endlich gelesen und er hat mir insgesamt so 50:50 gut gefallen.
Ein Mord im neu eröffneten Wellnesshotel von Niederkaltenkirchen hält Eberhofer dieses Mal auf Trab. Während der Mord Rätsel aufgibt, gibt es gleichzeitig auch noch massig Verdächtige. Denn so richtig begeistert war man im Dorf ja eher nicht vom neuen Hotel. Dass selbst Franz‘ beste Freunde plötzlich auf der Verdächtigenliste stehen, sorgt für zusätzliche Brisanz.
So kann man als Leser gut mitknobeln und Verdächtigungen anstellen. Ich muss zugeben, ich habe es selbst der ein oder anderen an sich so lieb gewonnenen Figur mal zugetraut. Irgendwo sie sind ja -so kauzig und liebenswert- eben doch ein arger Sauhaufen in meinen Augen.
Somit war für mich durchgängi für Spannung gesorgt. Irgendwann beißt sich Eberhofer aber dann doch an einem Verdächtigen fest und ich muss sagen, dass ich zuvor bereits einmal in diese Richtung gedacht hatte, die Idee aber von wegen „das kann doch gar nicht sein“ bald wieder verworfen hatte. Ich hatte sogar die richtige Idee, was die Ursache für die Tat sein könnte, aber es wollte mir halt einfach nicht wirklich in den Kopf.
Somit kam die Auflösung dann doch noch sehr überraschend. Ich muss aber gestehen, dass sie mir -im Verhältnis zum vorangegangenem Geschehen mit Ermittlungen und Verdächtigungen etc- eine Spur zu einfach gestrickt daherkam.Und irgendwie habe ich sie auch nicht als eine echte Krimiauflösung empfunden. Ich dachte die ganze Zeit quasi ‚was, das soll alles gewesen sein, dafür das ganze Brimborium zuvor?‘ und irgendwie verstehe ich unter einem Mord doch etwas anderes. Vor allem unter einem Mord in einem Krimi. Das ist schwer zu erklären, aber ich hoffe, man versteht es trotzdem.
Ich fand übrigens auch, dass es dieses Mal nicht so viel aus Eberhofers Privat- und Familienleben zu lesen gibt. Natürlich mischen die Oma, die Susi, das Paulchen und Bruder Leopold mit, aber eben nicht so häufig und so ausführlich wie zB in den ersten Bänden der Reihe. Das ist einserseits gut, denn so bleibt der Fokus auf den Fall gerichtet und die Geschichte fühlt sich nach einem waschechten Krimi an. Andererseits gehört Eberhofers Familie für mich einfach in die Geschichten und sorgt bei mir für die meisten Lacher. Dieses Mal habe ich eher selten gelacht, was ich schade fand. Zudem kündigen sich im Zusammenhang mit der Familie gewisse Veränderungen für Eberhofer an, die mir nicht zusagen. Ich kann ihn mir so einfach nicht vorstellen und möchte ihn so auch gar nicht erleben.
Ob aus diesen Plänen tatsächlich etwas wird, bleibt hier aber erstmal noch recht fraglich. Daher hoffe ich noch, dass es nicht alles so eintreten wird. Und angesichts des Endes der Geschichte darf man sowieso noch großzügig daran zweifeln. Denn das Ende…nun, sagen wir mal, es dürfte Eberhofer-Fans mit einem entsetzen „Alles nur das bitte nicht!“ zurücklassen. Mir hat es tatsächlich ein bisschen Angst gemacht. Ich bin gespannt auf den nächsten Band…falls es einen geben sollte. [Jetzt wäre der Moment für Fans, entsetzt zu gucken 😉

Wie gehabt liest sich auch dieser Krimi wieder weg wie nichts. Ich liebe Eberhofers Art zu erzählen, diesen Dialekt, die Formulierungen, einfach alles. Das ist so herrlich locker und so etwas liest sich für mich eben einfach wunderbar flüssig und fix. Ich möchte die Krimis manchmal ehrlich länger genießen, aber Eberhofers „Schnauze“ reißt mich irgendwie jedes Mal mit. Und ich mag das halt auch so.

Mein erster Gedanke beim Anblick des Covers war: schwimmt da ein Gebiss im Bier? Der Lippenstiftabdruck ist wirklich nicht so gut getroffen, finde ich. Davon abgesehen ist es insgesamt aber ein zur Geschichte passendes Cover mit dem Polizeischlüsselanhänger, dem Kronleuchter, den man sich leicht in einem bayerischen Hotel vorstellen kann und natürlich den Weisswürsten aus dem Titel.

Fazit:  Der Krimi an sich hat mir sehr gut gefallen. Er ist spannend, lädt zum Mitknobeln ein und steht hier nicht hinter Eberhofers Privatleben zurück. Allerdings fühlte sich die Auflösung für mich einfach nicht krimiwürdig an und wirkte mir zu einfach gestrickt. Außerdem kam mir Eberhofers Familie etwas zu kurz, wodurch mir auch eine Ecke an Witz und Komik fehlte. Und die Entwicklung von Eberhofers Privatleben sagt mir (bislang) so gar nicht zu. So möchte ich es einfach nicht haben bzw ihn nicht darin erleben. Mal schauen, was daraus wird. Vor allem nach diesem Ende…


Titel: Weisswurstconnection
Autor: Rita Falk
Seiten: 304
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261272
Preis:  € 15,90 (broschiert)

Jan 16

Rezension – Engelmord (Bettina Brömme)

engelmordMelina ist auf der Suche nach ihrem Bruder Heiko, seit drei Jahren ist er verschwunden. Auf dem Hof einer religiösen Sekte findet sie ihn wieder, aber er scheint sie nicht mehr zu erkennen. Dann geschieht ein schrecklicher Mord an einer jungen Frau, der Heiko angelastet wird. Denn die Tote war Heikos geheime Freundin – eine verbotene Liebe innerhalb der Sekte. Melina glaubt an die Unschuld ihres Bruders. Doch jemand aus der Gemeinschaft will mit allen Mitteln verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

Ich habe noch einige Rezensionen nachzuholen zu Büchern, die ich bereits 2016 gelesen habe. Also fangen wir direkt mit einem davon an. Im Urlaub letztes Jahr haben mich vor allem die Arena Thriller begleitet, von denen ich noch manchen Band ungelesen stehen habe.
„Engelmord“ -das kann ich gleich vorab schon sagen- gehört für mich zu den stärkeren Geschichten aus der Reihe, auch wenn ich auch hier mit gewissen Dingen ein paar Schwierigkeiten hatte. Dazu später.
Alleine dass die Story sich hauptsächlich in der Gemeinschaft einer Sekte abspielt, hat mir auf Anhieb gut gefallen. Das ist einfach mal etwas anderes und einem ganz schön fremd. Und das sorgt dann irgendwie auch dafür, dass die Umstände zB eines Mords anders wirken (können).
Zunächst hat man erstmal genug Gelegenheit, sich mit Melina in der Gemeinschaft ein- und zurechtzufinden. Und schon das Leben und die Lebensweise und Lebensumstände der Gemeinschaft wirken  eher befremdlich. Natürlich, vieles klingt einladend und irgendwie konnte ich ein kleines Stück weit nachvollziehen, was die Menschen dort daran begeistert, doch in erster Linie fand ich es einfach nur schrecklich. Ich habe Melina ehrlich dafür bewundert, wie sie die Sache meistert und damit umgeht. Denn schnell stellt sich heraus, dass diese vemeintlich so ehrenhafte Gemeinschaft allgegenwärtig ist, dass man ihr nicht entkommen kann und dass sie zur Verwirklichung ihres Lebenstraums über Leichen gehen. Zunächst im übetragenen Sinne, später dann auch im buchstäblichen Sinne.
Natürlich eckt Melina häufig an in der Gruppe, was Strafen nach sich zieht. Das sorgt ebenso für Spannung wie auch die Suche nach ihrem Bruder selber und dem Schrecken als sie ihn dann findet. Und natürlich die Frage, ob der Mord tatsächlich auf sein Konto geht.
Die Lage für Meline in der Sekte spitzt sich schnell zu und man hat häufig Gelegenheit, Angst um sie zu haben und an den Fingernägeln zu knabbern, wenn sie eine neuerliche Aktion startet um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, das die Gemeinschaft umgibt. Außerdem habe ich die ganze Zeit gehofft, dass die Mitglieder sie nicht doch auf ihre Seite ziehen.
Das Finale präsentiert sich erstmal höchst dramatisch mit einem Feuer und wartet anschließend mit so mancher Überraschung auf. Einige davon haben mich ehrlich schockiert, weil ich das im Vorfeld nicht habe kommen sehen. Einige waren weniger überraschend, haben mich aber trotzdem wirklich ärgerlich gemacht. So eine heuchlerische Bande aber auch!
Bis hierher klingt das alles ja wirklich prima. Aber eingangs habe ich ja bereits gechrieben, dass ich auch gewisse Probleme mit der Geschichte hatte. Ich konnte nämlich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie sich jemand freiwillig in die Fänge einer Sekte begeben kann. Allgemein nicht, was vermutlich daran liegt, dass mir dieser Grad an Verzweiflung völlig fremd ist (zum Glück!), den es dafür braucht.
Im Falle von Melina aber auch deshalb nicht, weil ihr doch schon nach kurzer Zeit dort klar sein muss, wie man sie dort behandelt, wie man Menschen allgemein dort behandelt. Und dass ihr Bruder sich längst so weit von ihr entfernt hat wie es nur geht! Alleine um ihr eigenes Wohl, hätte ich ihr manches Mal gerne zugerufen, sie solle Bruder Bruder sein lassen und sich dort vom Acker machen. Schließlich ist sie mutig und clever und steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Wie kann so jemand widerum gleichzeitig so dumm sein? Nein, das habe ich nicht verstanden. Und so habe ich mir innerlich alle naselang an die Stirn getippt und mich irgendwie auch geärgert.

Lesen ließ sich „Engelmord“ jedenfalls wie nichts. Melina erzählt sehr lebendig, locker und mit einem Funken bösen, teilweise ein wenig bitteren Humor. Die Kapitel sind teilweise etwas länger, was aber gleichzeitig bedeutet, dass man mit jedem Kapitel auch ein gutes Stück in der Geschichte vorankommt.

Für mich passen weiße Cover ja nicht so wirklich zu einem Thriller. Aber dieses Motiv an sich mag ich schon mit dem Flügelanhänger und dem Hintergrund, der einen gefiederten Engelsflügel zeigt. Trotzdem, etwas düsterer hätte es für mich gern sein dürfen.

Fazit:  Ich konnte die ganze Zeit nicht nachvollziehen, wie man sich freiwillig in eine Sekte begibt. Und wie man all das auf sich nimmt für jemanden, der an einem gar kein Interesse mehr zeigt. Da habe ich mich schon manches Mal geärgert. Allerdings fand ich die Geschichte auch sehr spannend und teilweise wirklich schockierend. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, sich solch ein Leben anzutun und sich davon obendrein noch eine Verbesserung seiner Situation zu versprechen? Schlimm, wenn man sich vorstellt, dass es so etwas tatsächlich gibt. Somit kann ich „Engelmord“ trotz meines durchgängig leichten Ärgers wirklich empfehlen.


Titel: Engelmord
Autor: Bettina Brömme
Seiten: 280
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401069180
Preis: € 9,99 (Broschiert)

Jan 12

Rezension – Laufen. Essen. Schlafen. (Christine Thürmer)

laufenessenschlafenAls Christine Thürmer gekündigt wird, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und auf dem Pacific Crest Trail von Mexiko nach Kanada zu wandern – 4277 Kilometer. Eigentlich unsportlich und ohne Erfahrung bricht sie zu ihrem Abenteuer auf und schafft es tatsächlich bis ans Ziel. Und sie wandert weiter, läuft 2007 den Continental Divide Trail und 2008 den Appalachian Trail. Aus der gewissenhaften Geschäftsfrau wird eine Langstreckenwanderin, die fast ununterbrochen draußen unterwegs ist. Anschaulich und humorvoll beschreibt Christine Thürmer die Geschichte ihrer inneren Suche, ihre Erlebnisse und landschaftlichen Eindrücke auf den drei großen Trails und wie es ist, als Frau allein unterwegs zu sein.

Seit „Wild – Der große Trip“ bin ich ständig auf der Suche nach ähnlichen Büchern / Geschichten. Ich liebe einfach solch abenteuerliche Geschichten, die tatsächlich passiert sind an Orten, die es tatsächlich gibt. Das vermittelt mir immer das Gefühl, das so etwas auch für mich möglich wäre. Wobei ich meine Fitness natürlich schon genau kenne und somit weiß, dass ich daran vermutlich scheitern würde. Trotzdem, dieses Mögliche hat eben seinen Reiz.
Dieses Buch hier klang vom Klappentext her genau so als könne es für mich ein würdiger Nachfolger sein. Gefallen hat mir zunächst besonders, dass Christine Thürmer tatsächlich die totale Karrierefrau ist mit einem Job in bester Position und sich nach gewissenen einschneidenden Erlebnissen dennoch für diese Wanderungen entscheidet. Das spricht für Mut (und ein gut gefülltest Konto, anders geht es nicht).
In vielerlei Hinsicht hat mir das Buch auch gut gefallen. Es war interessant, gleich drei Trails in den USA kennenzulernen. Den PCT ist Cheryl Strayed aus „Wild“ ja ebenfalls gelaufen, und hier bekommt man nochmal weitere Informationen dazu und bekommt wirklich wunderschöne und beeindruckende Bilder beschrieben, die sich dem Wanderer dort bieten.
Den Continental Divide Trail kannte ich bisher noch nicht und er wird auch eine Ecke kürzer behandelt als der PCT.
Den kleinsten Teil der Erzählung bekommt der Appalachian Trail ab, wobei er mir in Summe eigentlich am besten gefallen hat.
Alle drei bieten dem Wanderer ganz verschiedene Landschaften und Herausforderungen. Ich fand es spannend, wie die Wanderer -insbesondere Christine Thürmer- diese Herausforderungen meistern und habe die Beschreibungen der Landschaften und die dazu gehörigen Bilder vor meinem geistigen Auge nur so aufgesogen. Gepaart mit meinem ständigen Fernweh war es bei mir ein ständiges: das möchte ich auch mal sehen / erleben.
Bis hierher ist also wirklich alles genau nach meinem Geschmack gewesen.
Nicht so gut hat mir gefallen hat mir allerdings, dass Vieles bei Christine Thürmer so völlig glatt läuft. Ich glaube ihr dabei schon alles, was sie in ihrem Buch schildert, keine Frage! Darum geht es mir auch nicht! Aber ich finde, dass man sich als Leser bei diesem Buch einige Dinge immer vor Augen halten sollte. Beispielsweise, dass Christine Thürmer durch ihren Job über das ganze Buch hinweg finanziell keine Probleme hat. Dass sie durch ihre Qualifikation jederzeit zurück in einen solchen Job kann. Dass sie über ein mehr als gesundes Maß an Selbstbewusstsein und Mut verfügt. Dass sie offenbar schon anfangs perfekt Englisch sprach und so schnell Anschluss fand. Und noch einige Dinge mehr.
Und dann muss man -wenn man wie ich so ein Abenteuer erwägt- ganz ehrlich mit sich sein, ob man all dies auch aufbringt. Mir wird das alles einfach etwas zu leicht beschrieben. Wer das Buch liest, das nicht reflektiert und loszieht, der dürfte schnell Probleme bekommen.
Und tja, so ein bisschen mehr Jammer hätte ich auch authentischer gefunden. Aber Muskelkater und schmerzende Füße sind oft kaum mehr als eine Erwähnung wert. Dass die erste Nacht im Zelt entspannt wie im heimischen Bett verläuft, glaube ich auch nicht. Doch darauf wird gar nicht groß eingegangen. Ich denke einfach, speziell bei der ersten Wanderung dürfte es auch bei Christine Thürmer das eine oder andere Wehwehchen gegeben haben, und davon hätte ich gern gelesen. Weil es die Sache noch authentischer gemacht hätte.

Lesen ließ sich das Buch für mich wirklich gut und flüssig weg. Richtige Überschriften gibt es nicht. Wenn man so will sind die Angaben über die zurückgelegte Strecke eine Art Kapiteleinteilung. Und diese Kapitel haben durchweg eine angenehme Länge. Dazwischen gibt es dann noch die Kapitel zuhause bei Christine Thürmer, ihren Erlebnissen und Planungen dort, was sich für mich noch einen Tacken besser lesen ließ.

Das Cover sprach mich mit den verschiedenen Bildern in kräftigen Farben sofort an. Was für eine schöne Landschaft! Und Campingkocher und Zelt vermitteln Abenteuerfeeling. In der vorderen Broschur gibt es eine Karte der USA mit den drei eingezeichneten Trails. In der rückwärtigen Broschur findet man Fotos aus der Erzählung. Und auch in der Mitte des Buch gibt es ein paar Seiten mit Fotos.

Fazit:  Für mich mit meinem ständigen Fernweh war dies wieder ein richtig tolles Buch. Es hat Spass gemacht, nach dem PCT noch andere Trails kennenzulernen und viele Situationen, in die Christine Thrümer gerät, sorgen für Spannung und Unterhaltung. Lediglich den im Klappentext gepriesenen Humor habe ich vergeblich gesucht. Allerdings lief mir für die Autorin Vieles doch zu einfach ab und man muss sich beim Lesen immer über die geradezu idealen Voraussetzungen klar sein, die sie schon bei ihrer ersten Wanderung mitbrachte. Sollte man selbst solch ein Abenteuer in Erwägung ziehen, sollte man genau über die eigenen Voraussetzungen nachdenken. Bringt man nicht die selben mit, dann wird man es auch schwerer haben.


Titel: Laufen. Essen. Schlafen. – Eine Frau, drei Trails und 12700 km Wildnis
Autor: Christine Thürmer
Seiten: 288
Verlag: Malik Verlag
ISBN: 978-3890294711
Preis: € 16,99 (HC)

Jan 11

Gelesen 2016

Auf dieser Seite könnt ihr sehen, welche Bücher ich in diesem Jahr bereits gelesen habe!

 

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