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Okt 29

Rezension – Schmetterlingsschatten (Veronika Bicker)

schmetterlingsschattenIm Wald hat man die Leiche eines Mädchens gefunden. Elena würde am liebsten davonrennen. Wieder kommt alles hoch, was sie krampfhaft zu vergessen versucht: Der Tod ihrer Schwester Laura vor einem Jahr. Ganz in der Nähe des Ortes, an dem man das tote Mädchen gefunden hat. Gibt es da einen Zusammenhang? Und war Lauras Tod wirklich ein Unfall?

Es war mal wieder an der Zeit für einen Arena Thriller. Meine Wahl fiel auf „Schmetterlingsschatten“, da sich der Klappentext vielversprechend anhörte.
Leider wurde dieses Versprechen für mein Empfinden nicht eingehalten. Dabei bringt die Geschichte eigentlich alles mit, was ich an einem Thriller mag. Es wird eine Leiche gefunden und ehe es Elena sich versieht, werden Zusammenhänge und Ähnlichkeiten mit dem Unfalltod ihrer Schwester Laura deutlich. Was geschah mit dem ermordten Mädchen im Wald? Führte tatsächlich ein Unfall zum Tod ihrer Schwester, oder steckte mehr dahinter? Und wieso zeigt ausgerechnet jetzt eine Clique und ein Junge Interesse an Elena, der sie bisher kaum beachtet hat? Spannende Fragen eigentlich und ich habe durchaus eine Weile geknobelt, was vorgefallen sein könnte. Außerdem konnte ich Elenas Neugierde auf die Wahrheit gut verstehen.
Allerdings konnte ich den Rest von Elenas Wesen und Verhalten kaum bis gar nicht verstehen, und genau das hat mir „Schmetterlingsschatten“ letztlich verleidet. Ja, Elena ist mit ihrer egoistischen Mutter gestraft und auch Lauras Tod belastet sie noch sehr. Das ist verständlich. Daher hatte ich ihr ein wenig Aufheiterung  wirklich gegönnt. Entsprechend habe ich mich zunächst noch darüber gefreut, dass Tristan auf der Bildfläche erschien. Vielleicht würde er ein wenig Spass in Elenas Leben bringen. Gewissermaßen tut er das auch, jedoch machen er und seine Clique binnen kürzester Zeit eine solche Rebellin aus Elena, dass ich es als schlichtweg unglaubwürdig empfunden habe. Obendrein hatte ich Elena als ausgesprochen klug eingeschätzt. Jedenfalls solange bis sie sich für Tristan und seine Freunde mehrere Male in Gefahr begibt. In Lebensgefahr sogar! Wo bitte ist da plötzlich Elenas Verstand geblieben? Andererseits, irgend wie habe ich doch die ganze Zeit gehofft, dass Elenas Irrsinn sich letztlich auszahlen würde.
Es war also ein einziges Hin und Her für mich beim Lesen. Mal mochte ich Elena und konnte sie verstehen, dann wieder hätte ich sie am liebsten geschüttelt. Und insgesamt habe ich ihr diese Wandlung einfach nicht abgenommen, was mich geärgert hat.
Wenn ich mich über eine Hauptfigur ärgere, dann hilft auch der beste Krimi oder Thriller nichts mehr. Die Geschichte hat zwar einzelne spannende Momente, doch das Geschehen, wenn Elena mit Tristan zusammen ist, lenkt immer wieder davon ab. So wurden schnell andere Fragen spannend. Beispielsweise, was Elenas Mutter zu ihrer neuesten Eskapade sagen würde. Oder zu welcher Irrsinnstat sich Elena als nächstes würde hinreißen lassen. Das sind nur leider nicht die zentralen Fragen in diesem Thriller, und wenn man die so leicht aus den Augen verliert, dann spricht es nicht eben für eine wirklich interessante Geschichte.
Als wenig glaubwürdig habe ich auch den Showdown am See empfunden. Es gab einfach Figuren in dieser Geschichte, die ich mir nicht als rächender Messerschwinger vorstellen konnte. Entsprechend habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt als eine dieser Figur genau das tut.
Das Ende selber hielt dann keine weiteren Überraschungen parat. Irgendwie hatte ich mir das trotz allen Hoffens für Elena und ihre Schwester schon gedacht gehabt. Und zwar nicht, weil ich so talentiert im Knobeln und Kombinieren bin, sondern weil es erstens gar nicht anders sein konnte und zweitens von Anfang an mit dem sprichwörtlichen Handschuh zu fühlen war.

Mit seinen 206 Seiten ist „Schmetterlingsschatten“ kein Wälzer. Umso ungewöhnlicher ist es, dass ich dafür mehrere Abende gebraucht habe. Aber es hat mich inhaltlich einfach nicht gefesselt. Vom Schreibstil her gibt es nichts daran auszusetzen. Außer vielleicht, dass es für einen Jugendroman eine Spur zu dröge geschrieben ist. Trotzdem liest es sich an sich ganz gut und zügig. Die Kapitel sind nicht zu lang und die den Kapiteln vorangestellten Texte lockern zusätzlich auf.

Bei diesem Titel ist es nur logisch, dass auf dem Cover ein Schmetterling zu sehen ist. Allerdings muss man genau hinschauen. Auf den ersten Blick könnte er einem entgehen. Für mich ist Pink aber nicht gerade eine Farbe für einen Thriller, und sonderlich geheimnisvoll wirkt diese Gestaltung ebenfalls nicht. Stände nicht „Thriller“ drauf, könnte man das Buch auf Anhieb leicht in ein ganz anderes Genre einordenen.

Fazit: Grundsätzlich ist das Rätsel um das ermordete Mädchen und Lauras Tod durchaus spannend. Daraus hätte man etwas machen können. Leider durchläuft die anfangs kluge und vernünftige Elena im Laufe der Geschichte eine Wandlung, die ich ihr nicht abkaufen konnte. Ich habe mich oft wirklich sehr über sie geärgert. Und wenn ich mich über eine Hauptfigur ärgere, übertüncht das problemlos selbst die spannendste Handlung. Da ist es nicht verwunderlich, dass es bei dieser eher leidlich spannenden Story erst recht passiert ist.


Titel: Schmetterlingsschatten
Autor: Veronika Bicker
Seiten: 206
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401061771
Preis: € 8,99 (Broschiert)

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