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Jun 16

Rezension – Tausend mal gedenk ich dein (Heike Eva Schmidt)

U1-Schmidt-Tausendmal.inddEigentlich läuft alles rund für Nelly. Mit Pina hat sie eine tolle beste Freundin an ihrer Seite, und als sie sich auch noch in Elias verliebt, den Jungen mit den dunklen Wuschelhaaren und den graublauen Augen, könnte ihr Glück perfekt sein. Doch dann werden in ihrer Klasse immer wieder Mitschüler in merkwürdige Unfälle verwickelt – und der Verdacht fällt ausgerechnet auf Nelly. Schon bald verwischen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse. Und Nelly muss erkennen: Das Schlimmst ist manchmal gar nicht die Lüge – sondern die Wahrheit.

Von Heike Eva Schmidt habe ich schon zwei Jugendthriller gelesen und war überwiegend ganz angetan davon. Auch „Tausendmal gedenk ich dein“ passte vom Klappentext her ganz in mein Beuteschema.
Trotzdem hat es mir die Geschichte alles andere als einfach gemacht.
In erster Linie, weil mir Nelly mit ihrer Verehrung für Pina tierisch auf den Keks ging. Eine beste Freundin zu haben, das ist normal. Meinetwegen bewundert man sie hier und da auch mal, auch okay. Aber diese Anhimmelei habe ich teilweise schon als unnormal empfunden. Vor allem, weil seits Pina längst nicht so viel Zuneigung und Freundschaft rüberkommt. Ganz im Gegenteil fand ich sie oft reichlich unverschämt, frech und launisch, selbst ihrer angeblich besten Freundin Nelly gegenüber.
Sonst mochte ich Nelly ganz gerne. Wenn sie nicht gerade mit Pina zusammen ist oder von etwas anderem erzählt, dann ist sie wirklich sympathisch. Ich mal solche ganz normalen Mädchen als Hauptfiguren gerne, denn mit ihnen kann man sich leicht identifizieren und sich in sie hineinversetzen. Entsprechend habe ich ihr Elias von Herzen gegönnt und fand die beiden zusammen wirklich goldig. Das einzige, was ich an Nelly nicht nachvollziehen konnte, war ihr Glaube, dass sie in der Klasse eher zu den Außenseitern gehört. Das kam für mich überhaupt nicht so rüber.
Die vierte wichtige Person in dieser Geschichte ist die schüchterne Jule, die neu in Nellys Klasse kommt und ein Geheimnis mit sich herumzutragen scheint. Leider fand ich sie im Zusammenhang mit den Unfällen überhaupt nicht verdächtig. Der Geschichte ist es nicht ein einziges Mal gelungen, mir Jule als Täter glaubhaft zu machen. Somit blieben mir als Verdächtige nur noch Pina und Elias, wovon ich Elias recht schnell ausgeschlossen habe. Auch er verhält sich nie übermäßig verdächtig. Nelly schied für mich sowieso aus. Entsprechend sorgte für mich lediglich die Frage für Spannung, ob Pina dahinterstecken könnte. Das fand ich recht dürftig für einen Thriller. Und hinzu kam noch, dass ich auch die Unfälle nicht als so dramatisch geschildert empfunden habe, dass von daher Spannung hätte aufkommen können.
Ich war also insgesamt schon nahe dran zu behaupten, dass meine Strähne mit den schwachen Büchern sich im Juni fortsetzen würde.
Aber dann!
An einer bestimmten Stelle schon nahe am Ende dachte ich plötzlich, ich lese nicht richtig. Aber solch einen Fehler traue ich keiner Autorin wie Heike Eva Schmidt zu. Also musste das so stimmen. Aber zum Kuckuck: wieso? Was hatte ich verpasst?
Und ab diesem Punkt habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen können. Dieser Moment warf ein so neues Licht auf die Handlung, dass ich plötzlich unbedingt wissen wollte, was es damit auf sich hat.
Und was soll ich sagen? Die Auflösung war zu 100 Prozent nach meinem Geschmack. Wer schon ein paar Psychothrillerrezensionen von mir gelesen hat, der wird wissen, was ich darin als Idee immer ganz besonders cool finde. Allen anderen sei einfach gesagt, dass es ein genialer und erschreckender Dreh ist. So gehört sich das in diesem Genre! Endlich ergab es auch Sinn, wieso die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Das hatte ich bis dahin nämlich überhaupt nicht verstanden, was der Geschichte einen weiteren Minuspunkt einbrachte. Aber dann, bei diesem Ende, da ergibt das plötzlich Sinn!

Gerade wegen dieser Wechsel in der Erzählperspektive hat sich das Buch für mich sehr leicht lesen lassen. Die Kapitel haben auch eine schöne Länge, da wird man schnell verleitet, doch noch eines mehr zu lesen als geplant. Nelly erzählt jugendlich locker und es gibt viele Dialoge, die einen flugs voranbringen.

Ich mag das kräftige Grün des Covers sehr gerne! Eine wirklich schöne und auch auffällige Farbe. Was es im Zusammenhang mit der Geschichte mit der Blume auf sich hat, verstehe ich auch nach dem Lesen noch nicht. Trotzdem, insgesamt gefällt mir der Look gut.

Fazit: Wie sehr Nelly ihre Freundin Pina anhimmelt, das ging mir lange Zeit ganz schön auf die Nerven. Außerdem wollte durch die Unfälle und arg wenig wirklich Verdächtige auch keine rechte Spannung aufkommen. Das änderte sich erst sehr weit zum Ende hin als ein Satz plötzlich alles umkrempelte, woran ich bis dahin geglaubt hatte. Ab da wurde es richtig spannend und die Auflösung fiel ganz nach meinem Geschmack aus.


Titel: Tausend mal gedenk ich dein
Autor: Heike Eva Schmidt
Seiten: 256
Verlag: Bastei Lübbe / Boje
ISBN: 978-3414824059
Preis: 12,99 (HC)

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