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Aug 21

Rezension – Ich koch dich tot – (K)ein Liebesroman ( Ellen Berg)

kochdichtotBeim ersten Mal ist es noch ein Versehen: Statt Pfeffer landet Rattengift im Gulasch – und schon ist Vivi ihren Haustyrannen Werner los. Als sie wenig später vom schönen Richard übel enttäuscht wird, greift sie erneut zum Kochlöffel. Fortan räumt Vivi all jene Fieslinge, die es nicht besser verdient haben, mit den Waffen einer Frau aus dem Weg – ihren Kochkünsten. Dann trifft sie Jan, der ihr alles verspricht, wovon sie immer geträumt hat. Vivi beschließt, dass jetzt Schluss sein muss mit dem kalten Morden über dampfenden Töpfen. Als ihr aber mehrere Unfälle passieren, keimt ein böser Verdacht in ihr. Sollte Jan ihr ähnlicher sein als gedacht? Zu dumm, dass sie sich ausgerechnet in diesen Schuft verliebt hat. Doch Vivis Kampfgeist ist geweckt.

Bei diesem Buch hatten mich Titel und Cover neugierig gemacht. Bisher kannte ich noch keines von Ellen Bergs Büchern.
Die ersten paar Zeilen fand ich recht verheißungsvoll. Es dauert keine Seite lang, da hat es Vivis Gatten durch eine böse Verwechselung bzw die Zweckentfremdung eines Pfefferstreuers dahingerafft. Bei der Vorstellung musste ich grinsen.
Anschließend verging mir das Grinsen dann ziemlich schnell, denn nun wird einem erstmal ein Einblick in Vivis und Werners Eheleben gewährt. Mit dem ist Vivi seit Jahren unzufrieden, und das wird lang und breit ausgewalzt. Ich mag es einfach nicht, wenn Frauen sich so als „Opfer“ des Ehelebens betrachten. Ganz ehrlich, so blöd kann doch heutzutage keine Frau mehr sein, sich von ihrem Mann in diese Ecke drängen zu lassen und darin auch noch zu verharren, weil es eben das Einfachste ist! Die Frauen, die das heute noch dulden, die gehören -meiner Meinung nach- kräftig geschüttelt. Mindestens!
Aber auch wenn mich das ärgert, so sehe ich doch ein, dass Vivis Charakter anfangs so angelegt sein muss, weil sonst der Rest der Geschichte nicht funktionieren würde. Von nun an muss Vivi ihr Leben selbst in die Hand nehmen und auch, wenn ihr das zu Beginn noch etwas schwer fällt, so wird sie nach und nach immer besser darin und versteht es, die Vorzüge des Singledaseins auszukosten. Und dann taucht da dieser Traummann auf der Bildfläche auf, dem sie augenblicklich verfällt. Ich muss gestehen, obwohl ich ihr dieses Glück gönnte, fürchtete ich vom ersten Moment an ernsthaft um sein Leben.
Und nicht nur um seins! Vivi begegnet noch manch anderem Mann, der ihr entweder bei ihrem selbstbestimmten Leben in die Quere kommt, oder der sie schlichtweg enttäuscht oder bedrängt. Sobald bei dieser Geschichte ein Mann ins Spiel kommt, darf man sich begründet Sorgen um sein Leben machen. Wie ich finde, hatten sie es aber immerhin alle verdient.
Das ist zwar soweit ganz unterhaltsam, aber spätestens nach dem zweiten Mord wird die Geschichte somit ganz schön vohersehbar. Die große Frage ist allenfalls, wie Vivi sich der Störenfriede entledigt. Mit jedem Mord wird Vivi selbstbewusster, was mir einerseits ganz gut gefallen hat. Andererseits fand ich aber auch, dass sie zunehmend etepetete wird, was ich widerum gar nicht mag. Zwar nicht genug um sie mir unsympathisch zu machen, aber ab und zu ist es wirklich knapp was das angeht. Ich habe beim besten Willen nicht verstanden, worauf sie sich etwas einbildet.
So richtig Schwung und Spannung kam für mich damit rein, dass Vivi auf Jan trifft. Denn Jan ist ausgerechnet Kommissar! Und der perfekte Mord ist noch niemandem geglückt, das weiß selbst Vivi, die bis dahin äußerst souverän zu Werke ging. Zu allem Überfluss sieht Jan auch noch gut aus und nimmt den Mund oft ähnlich voll wie seine Vorgänger. Ich wusste nie, ob man ihm trauen kann. Und ich habe nur darauf gewartet, dass Vivi auch ihn ins Jenseits schickt. Oder dass er sich tatsächlich dran kriegt. Auch wenn ich sie hier und da etwas überheblich fand, das hätte ich ihr dann doch nicht gegönnt. Widerum, so kann es doch nicht enden! So etwas muss doch Konsequenzen haben! Wo bleibt denn sonst die Moral von der Geschicht‘?
Ganz einfach: die vergessen wir ausnahmsweise. Muss auch mal sein.

Das Buch liest sich schon alleine wegen des feinen und oft bösen Humors wunderbar leicht. Für jemanden wie mich, der beim Lesen gerne mal lacht, ist das so ideal. Die Kapitel haben eine schöne Länge, die zum Weiterlesen einlädt und so flogen die Seiten nur so dahin.

Aus dem Covermotiv werde ich  nicht so recht schlau. Ich erinnere mich an keine Szene, in der ein Mann in einen Ofen schaut. Vivi ist es doch, die stets kocht! Aber lustig finde ich das Motiv trotzdem irgendwie. Es kommt schön die Gegensätzlichkeit zwischen der Frau und dem Mann rüber. Sie, schick gekleidet und ausgehbereit, er in Hosenträgern und Puschen vor dem heimischen Herd.

Fazit:  Für mich war „Ich koch dich tot“ ein unterhaltsamer Roman-Happen für zwischendurch. Mir hat der böse Humor prima gefallen und ja, ich fand durchaus, dass die Herren ihr Schicksal verdient hatten. Mit Vivi war es so eine Sache. Eigentlich mochte ich sie ganz gerne, aber ab und zu wirkte sie mir doch zu überheblich und grundlos etepetete. Mit Jan kam dann  echte Spannung in die Geschichte. Es kann gut sein, dass ich mal wieder ein Buch von Ellen Berg lese.


Titel:  Ich koch dich tot – (K)ein Liebesroman
Autor: Ellen Berg
Seiten:  308
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 978-3746629315
Preis:  € 9,99 (TB)

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