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Aug 12

Rezension – Der Gesang des Blutes (Andreas Winkelmann)

gesangblutEs ist im Keller. Und bald kommt es herauf. Die eigenen vier Wände auf dem Land: für Kristin und Tom geht ein Traum in Erfüllung. Doch die junge Mutter beschleicht von Anfang an ein ungutes Gefühl. Das alte Haus ist ihr unheimlich. Als Tom kurz nach dem Einzug überraschend stirbt, werden Kristins Ängste von Tag zu Tag schlimmer. Sie hört Stimmen, und nachts träumt sie von einer Gestalt, über die man im Dorf spricht: von einem Scherenschleifer, der hier vor langer Zeit eine Frau getötet haben soll. Kristin glaubt, langsam verrückt zu werden. Die Dorfbewohner raten ihr, das neue Heim so schnell wie möglich zu verlassen. Sie entschließt sich, zu bleiben.

Mit Andreas Winkelmanns Thrillern habe ich bislang keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht. Manche waren zwar besser als andere, aber das ist wohl normal. Entsprechend musste „Der Gesang des Blutes“ unbedingt mit als ich es im Buchladen entdeckte. Der Klappentext klang absolut nach meinem Geschmack!
Die Geschichte ließ sich nicht übel an. Ein junges Pärchen zieht in ein abgelegenes, altes Haus auf dem Lande. Der Frau, Kristin, ist zwar nicht ganz wohl dabei, vor allem wegen des Kellers, aber sie weiß, dass sie eine blühende Phantasie hat und lässt sich deshalb trotzdem darauf ein. Als Leser ahnt man da natürlich, dass an ihrer Vorahnung womöglich doch etwas dran sein könnte und auch die Geheimniskrämerei im Dorf lässt darauf schließen, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt. Das macht Hoffnung auf eine spannende und geheimnisvolle Story.
Allerdings wechselt der Schauplatz bald und es kommen weitere Figuren ins Spiel und mit ihnen ein Handlungsstrang, der sowas von überhaupt nicht mein Fall war. Ganz ehrlich: hätte auf dem Klappentext etwas von einem Bankräuber gestanden, der von zwei Typen verfolgt wird, die ihn schließlich umbringen, was sich dann aber als Irrtum herausstellt und die nun selber gejagt werden, dann hätte ich das Buch definitiv auf seinem Büchertisch liegen lassen. Was ist daran bitte Thriller? Sowas tischt einem so mancher „Tatort“ am Sonntagbend auf! Ich konnte mir zudem üebrhaupt nicht vorstellen, wo sich da ein Zusammenhang mit dem Teil der Handlung bei Kristin, Tom und Lisa ergeben sollte.
Deren Part gefiel  besser. Das Haus und sein Keller blieben für mich geheimnisvoll und ich habe stetig  versucht, die Einblicke in die Vergangenheit mit Kristins Heute in Verbindung zu bringen. Sowas mag ich. Den Keller selber hätte man aber noch etwas gruseliger in Szene setzen können, da fehlte mich quasi der letzte Pfiff. Und  Kristin ging mit manchmal auf die Nerven. Wie kann man alles rund um den Alltag dem Mann überlassen und sich auf diese Weise so unfähig für das Leben machen lassen? Und nicht mal als Kristins Probleme wirklich bedrohlich werden, kriegt sie so richtig den Hintern hoch! Trauer hin oder her, aber wenn man bereits mit einem Bein auf der Straße steht, sollte man schon aufwachen. Ich hätte sie schütteln mögen!
Das Ende und die Auflösung selbst waren auch so eine Sache. Zwar ergab sich irgendwann tatsächlich ein Zusammenhang mit der Handlung um die beiden Bankräuberjäger, aber glaubwürdig sieht anders aus. Ausgerechnet bei dem abgebrühtesten der beiden bricht am Ende der Wohltäter durch. Ich dachte, ich lese nicht richtig! Hallo, Robin Hood, was machst du denn in einem Thriller?
Obwohl, ist „Der Gesang des Blutes“ überhaupt ein Thriller? Für mich mischt hier dafür zu viel Übersinnliches mit. Von in mehrere Prsönlichkeiten gespaltene Menschen habe ich in Thrillern schon einiges gelesen. So etwas gibt es. Aber dieses Hineinschlüpfen in Menschen von anno Schnuff ist eine ganz andere Nummer. Dass Kristin im Haus Stimmen hört, habe ich anfangs noch auf ihre überreizte Phantasie geschoben, doch dann hören auch noch andere diese Stimmen. Körperlose Stimmen? Das ist doch keine Gruselgeschichte, sondern ein Thriller! Und ich war so neugierig gewesen, wie die Ereignisse am Ende realistisch erklärt werden würden!

Ich habe mich noch nie durch einen Thriller von Andreas Winkelmann hindurchkämpfen müssen. Dann kam „Der Gesang des Blutes“. Vor allem die Kapitel um die beiden Verfolger des Bankräubers hätte ich gerne übersprungen. Die lasen sich unheimlich zäh. Der Part um Kristin dagegen flog eher dahin. Immerhin haben die Kapitel eine feine Länge um doch noch eins (oder zwei oder drei) zu genehmigen.

Ein Thriller mit einem leuchtend gelben Cover! Das fällt auf dem Büchertisch natürlich auf. Und das Blut passt so prima zum Titel. Dahinter ist die Kellertreppe zu sehen, die ich aber erst auf den zweiten Blick erkannt habe. Das Gelb und Rot lenkt davon ganz schön ab.

Fazit:  In Summe hat mich mit „Der Gesang des Blutes“ zum ersten Mal ein Thriller von Andreas Winkelmann enttäuscht. Vor allem weil es zur Häfte überhaupt nicht um das geht, wovon im Klappentext die Rede ist! Den ganzen Part um den Bankraub und seine Folgen hätte man für mich gerne erheblich kürzer fassen dürfen. Diese Ausführlichkeit wäre für das wenig glaubhaften Ende überhaupt nicht nötig gewesen. Außerdem hatte mir die Story einen zu deutlichen Einschlag hin zu einer Gruselgeschichte. Ein Thriller sollte für mich aber realistisch bleiben. Und Kristin mit ihrer Kopf-in-denSand-Mentalität nervt ganz ordentlich.


Titel:  Der Gesang des Blutes
Autor:  Andreas Winkelmann
Seiten:  336
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499266669
Preis:  € 9,99 (TB)

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