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Feb 01

Rezension – All die verdammt perfekten Tage (Jennifer Niven)

Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden.

Das mit diesem Buch und mir war eine Zufallsbegegnung. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört und soweit ich weiß, auch noch nie etwas aus dem Limes Verlag gelesen. Aber irgendwie sprach mich das Klappentext an und das Cover ist in meiner Lieblingsfarbe gehalten. Zwei Gründe also, es mit einem Buch einfach mal zu versuchen. Die erste positive Überraschung ließ nicht lange auf sich warten, denn ich hatte mit einem Roman für Erwachsene gerechnet, mit erwachsenen Hauptfiguren. Doch tatsächlich dreht sich die Geschichte um zwei Jugendliche, und für Jugendbücher habe ich einfach ein größeres Faible als für Erwachsenenbücher.
Ich muss allerdings leider sagen, dass dies die einzige positive Überraschung an „All die verdammt perfekten Tage“ war. Kurz und knapp gesagt: mich konnte die Geschichte nicht von sich überzeugen.
Das begann bereits bei den beiden Hauptfiguren. Finch mochte ich schnell wirklich gerne. Seine Verrücktheit, seine ausgefallenen Ideen und seine oft wirklich schlauen Gedanken, das alles hat ihn mir fix sympathisch gemacht. Allerdings habe ich „seine“ Kapitelüberschriften mit diesem „Wach“ überhaupt nicht verstanden. Also habe ich es einfach außer Acht gelassen, dann ging es. Dagegen blieb mir Violet irgendwie ziemlich fern. Bei allem Verständnis für ihre Situation, ihre zurückhaltende Art, ihr „ich bin gar nicht da“-Gehabe und ihre oft so patzigen Reaktionen auf Finchs Bemühungen gefielen mir gar nicht. Gerade dieses Patzigsein hat mich außerdem auch geärgert.
Dass die beiden so schnell zu einander finden, erschien mir trotz des Vorfalls auf dem Glockturm auch nicht so ganz nachvollziehbar. Schon kurz nach diesem Vorfall arbeiten beide an einem Projekt und verstehen sich -wenn Violet nicht gerade zickt- mehr als gut. Aha, bei manchen Menschen geht sowas ja echt schnell. Ich hätte mir dabei einen Schuss mehr Romantik gewünscht, etwas mehr Gefühl, doch das fehlt hier fast gänzlich.
Das ist allerdings auch sonst der Fall, wenn es um Emotionen geht. Will heißen, nach dem Vorfall auf dem Glockturm verlor sich das Thema „Selbstmord“ für mich nahezu ganz. Ich hätte nicht gedacht, dass die Geschichte nochmal ernsthaft darauf zurückkommen würde. Die Gefahr, dass sich so etwas ereignen würde, war für mich nach dem Glockenturm nie spürbar. Das hätte für mich -berücksichtigt man das Ende- zuvor wirklich deutlicher hervorgehoben werden können. Dann hätte ich die Geschichte sicher aus als spannender empfunden. So jedoch konnte für mich vom Spannung kaum eine Rede sein. Die Story war für mich über den größten Teil hinweg einfach eine nette Erzählung über zwei Jugendliche, die sich nach schlimmen Erlebnissen ins Leben zurückkämpfen und sich dabei näherkommen.
Ich hätte nie, wirklich nie mit solch einem Ende gerechnet. Dass es außerdem einen arg dünnen Aufhänger hat, sei dabei nur am Rande erwähnt Ich war also vor allem verblüfft, aber kein Stück schockiert oder traurig, wie es vermutlich hätte sein sollen.
Und wenn ich jetzt schreiben würde, dass mich dieses Buch berührt und / oder für das Thema „Selbstmord“ sensibilisiert hätte, würde ich lügen. Aber ich denke halt, genau das wäre die Aufgabe der Geschichte gewesen. Und die hat sie bei mir zumindest nicht gemeistert.

Die Geschichte wird abwechselnd von Finch und Violet erzählt. Das sorgt schon mal für Abwechslung beim Lesen. Der Schriebstil ist dadurch auch ganz jugendlich locker. Sogar, wenn einer der beiden sich mal tiefgründigere Gedanken machen. Das liest sich so sehr leicht und ehe man es sich versieht, ist man ein gutes Stück im Buch vorangekommen. Gestört haben mich die Zeilen in Schreibschrift, denn die waren für mich schwer lesbar. Und normalerweise habe ich mit sowas gar keine Probleme. Hier leider schon.

Blau ist meine Lieblingsfarbe, daher sprach mich das Cover auf Anhieb an. Aber mir gefällt auch das eigentliche Motiv. Der Gedanke, auf den Mond klettern zu können. Jemandem den Mond vom Himmel holen, das hat einfach etwas und passt zu einer Lovestory. Und das ist „All die perfekten Tage“ irgendwo ja schließlich auch. Richtig toll finde ich die Gestaltung der Deckeninnenseite, doch die soll mal jeder selbst entdecken.

Fazit:  Leider hat mir die Geschichte nicht so gut gefallen wie gedacht. Allgemein gesagt, liegt das daran, dass mir Gefühle einfach nicht eindringlich genug rübergebracht wurden. Weder Finchs Angst, noch Violets zunehmender Mut, die Romanze der beiden oder auch die Gefahr eines Selbstmords. Da hätte alles intensiver ausfallen müssen um mich zu packen.Umso perplexer war ich angesichts des Endes. Das hätte ich niemals kommen sehen. Und das hätte ich wohl müssen nach der Vorgeschichte. Doch die gab diese Ahnung einfach überhaupt nicht her. Und damit hat die Story in meinen Augen schlicht ihr Ziel verfehlt.


Titel: All die verdammt perfekten Tage
Autor: Jennifer Niven
Seiten: 400
Verlag: Limes Verlag
ISBN: 978-3809026570
Preis: € 14,99

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