Mrz 15 2018

[Rezension] Kaiserschmarrndrama (Rita Falk)

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen ›Mona‹ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst in dem Maße wie Franz’ Unlust auf das traute Familienglück. Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen?

Auf einen neuen Eberhofer freue ich mich immer schon Monate im Voraus. Ich habe die ganze Reihe verschlungen und natürlich musste da auch dieser neue Band her.
Es fällt mir wirklich schwer und ich sage es auch sehr, sehr ungern, aber zum ersten Mal hat mich eine Geschichte mit Eberhofer, seiner Familie und seinen Freunden mehr enttäuscht als begeistert.
Fangen wir bei dem neuen Fall für Eberhofer an. Der ist an sich gar nicht schlecht. In Niederkaltenkirchen scheint ein Serienmörder umzugehen. Innerhalb kürzester Zeit finden sich gleich mehrere gewaltsam getötete junge Frauen. Eine Spur führt geradewegs ins Internet, wo eine von ihnen einen mit höchst pikanten Videos ihr Geld verdient hat. Und obendrein stehen ausgerechnet der Simmerl und der Flötzinger ganz oben auf der Liste der Verdächtigen. Eberhofers besten Freunde lso. Brisanter geht es an sich nicht.
Mein Problem dabei besteht darin, dass ich rückblickend den Eindruck habe, dass Eberhofer zu den Ermittlungen am wenigsten beiträgt. Entweder scheucht er die armen Socken vom LKA durch die Gegend oder sein Kumpel Rudi wird eingespannt. Eberhofer selber habe ich gefühlt am seltensten bei irgendwelchen Nachforschungen erlebt. Das finde ich erstens schade und zweitens von der Figur einfach nur unverschämt. Ständig tönt er herum, welch hohen Posten er bekleidet, aber gerecht wird er dieser Position kaum. Er nutzt sie viel mehr aus.
So kam es dann auch, dass ich gar nicht mal Eberhofers Arbeit spannend fand, sonder mehr die, die zB der Rudi leistet. Auch wenn er sich bei Eberhofer & Co. anbiedert, wehleidig ist und auch mal nervt, aber er versteht seinen (ehemaligen) Job und kriegt darin etwas auf die Reihe.
Zum anderen kam es mir dieses Mal auch so vor als stehe der Fall fast kompeltt hintenan zum Geschehen in Eberhofers Privatleben. Natürlich war ich geschockt und traurig über die Sache mit dem Ludwig, gar keine Frage. Das ist einer der wenigen Punkte, an denen ich Eberhofer absolut verstehen konnte.
Aber was den Hausbau auf dem Grundstück angeht, da konnte ich über ihn immer nur den Kopf schütteln. Dass er seine Macken hat, das weiß man, wenn man die Reihe kennt. Dass er an gewissen Gewohnheiten und Dingen unglaublich hängt, das ist auch bekannt und geht klar. Aber hier ist er dermaßen verbohrt, stur, boshaftund rücksichtslos, das hält man kaum aus. Das war das erste Mal, dass ich ihn überhaupt nicht mehr mochte. Ähnlich ging es mir auch mit der Oma. Zum ersten Mal fand ich sie absolut unmöglich mit ihren Faible für Sonerangebote, Coupons und Rabatte. Und die komplette Familie steht hinterher und applaudiert (bildlich gesprochen). Da für mich die größte Komik immer von Eberhofers Privatleben ausging, gab es dieses Mal auch nicht besonders viel zu lachen.
Ähnliches gilt für Erberhofers Umgang mit einigen Dingen, die seine Arbeit betreffen. Wenn man sich sonst alles andere als übernimmt und sich gerne mal durchschnorrt um zum Erfolg zu kommen und dann stolz die Lorbeeren einheimst, dann ist es sicher nicht angenehm zu sehen, wie Polizeiarbeit eigentlich aussieht. Aber dass er sich gebärdert wie ein bockiges kleines Kind und sich nicht anders zu helfen weiß als mit Rumschnauzerei, das ist schon wirklich sehr arm.

Wie gewohnt ist die Geschichte im dicksten Dialekt geschrieben, was mir nachwievor gefällt. Einige Redewendungen habe ich schon übernommen, weil ich sie so gerne mag. Außerdem liest es sich  wunderbar flüssig und locker, sodass man nur so durch das Buch fliegt. Viele Dialoge tragen ebenfalls dazu bei. Die Kapitel haben genau die richtige Länge. Nicht zu kurz, nicht zu lang. In dieser Hinsicht ist auch dieses Mal wieder alles top in Ordnung.

Das Covermotiv gefällt mir ebenfalls sehr gut. Vor allem wegen dem Ludwig natürlich. Aber der Blick durch das Fenster verrät auch, dass der Hausbau voranschreitet. Und natürlich ist auch eine Pfanne mit Kaiserschmarrn zu sehen. Auf einem typisch bayerisch gemusterten Tischtuch, versteht sich.

Fazit:  „Kaiserschmarrndrama“ war für mich die erste Enttäuschung in der Reihe. Der Fall hat so gute Ansätze, steht aber hinter dem Geschehen in Eberhofers Privatleben sehr zurück. Und es sollte auch nicht so sein, dass ich die Arbeit anderer an dem Fall spannender und interessanter finde als Eberhofers Beitrag. Absoluter Knackpunkt ist aber er selber. Ich habe ihn trotz seiner Macken immer gemocht, aber hier ist er in vielerlei Hinsicht einfach nur unterträglich. Kauzig zu sein, ist eine Sache. Ein A**** zu sein, eine ganz andere. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, dann steige ich aus der Reihe aus. Ich hätte nie, nie, niemals gedacht, dass ich das mal sagen würde.

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Titel: Kaiserschmarrndrama
Autor: Rita Falk
Seiten: 301
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423261920
Preis:  € 15,90 (broschiert)

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