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Mrz 06

Rezension – Mein Leben als Tod (Der Tod)

lebentodDer Sensenmann berichtet knochentrocken von seinen unzähligen Versuchen, sein schlechtes Image wieder aufzupolieren. Er erzählt von seinen familiären Wurzeln, seiner ungewöhnlichen Karriere und vom harten Arbeitsalltag mit allen Höhen und Tiefen.
Auf diese Weise will er um Verständnis werben und den Menschen die Berührungsängste nehmen. Dokumentiert wird alles mit exklusiven Fotos und intimen Tagebucheinträgen.

Ich habe es irgendwie mit dem Tod. Sei es der von Ruthe, der von nichtlustig.de oder der Tod von der Scheibenwelt. Ich mag einfach den Tod als Figur. Umso lieber, wenn er humorvoll dargestellt wird.
Daher stand sehr schnell fest, dass ich dieses Buch lesen würde.Dennoch zog es erst spät bei mir ein, nämlich erst nachdem ich ein Ticket für die dazu gehörige Show gekauft hatte und antesten wollte, was da auf mich zukommen würde.
Die Idee finde ich schlichtweg genial. Der Sensenmann plaudert über seinen Job, seine Sorgen und sein Bemühen, sich und seine Arbeit in ein besseres Licht zu rücken. Dabei wirkt er so normal, dass es geradezu skurril wirkt. Aber genau das hat ihn mir auch so sympathisch gemacht. Ich mochte den Kuttenträger auf Anhieb und er tat mir manches Mal wirklich leid, wenn er wieder mal wegen seines Jobs verkannt wird.
Im Grunde ist bei ihm kaum etwas anders als bei anderen Halbwüchsigen, die notgedrungen in Vaters Fußstapfen treten müssen und versuchen, daraus das Beste zu machen. Selbst wenn es einer der unbeliebtesten Jobs überhaupt ist.
Und so erfährt man einiges über die „Ausbildung“ des Tods, seinen Aufstieg zum Chef und vielen, vielen Alltagssituationen. Die sind so erfreulich nahe am ganz normalen Menschenleben, dass man sich gut in diese Situationen hineinversetzen kann. Und trotzdem sind sie hier natürlich etwas Besonderes, denn der Tod sieht sie eben doch noch einmal ganz anders. Manchmal jedenfalls.
Zwischendurch peppt der Tod seine Erzählungen mit ganz bestimmten Texten auf. So schildert er beispielsweise Interviews mit verschiedenen Magazinen, präsentiert seine Top-Ten der kreativsten Grabsteininschriften oder gewährt einen Einblick in seine Fan-Post. Das hat für mich das Lesen aufgelockert, was ich zwischendurch ganz gerne mal mag.
Allerdings gab es auch einen Wermutstropfen an diesem Buch: ich habe es nämlich als längst nicht so witzig empfunden, wie ich es erwartet hatte. Für mehr als ein Schmunzeln hat es nur zweimal gereicht. Aber an nur zwei Stellen ein Lacher, das ist nicht gerade ein Aushängeschild für ein Buch, das sich laut Cover zur Comedy zählt. Nun bin ich bei den aktuell so beliebten Comedians sowieso heikel und kann über die Wenigstens lachen, aber beim Tod hatte ich mir durchaus Chancen ausgerechnet. Er erzählt gewitzt und sprachlich gewandt mit einem feinen Blick und natürlich einer gehörigen Portion schwarzem Humor, aber der Witz-Funke wollte und wollte nicht so richtig überspringen. Womöglich, weil das „Leben“ des Tods irgendwie so schrecklich normal rüberkommt?

Das Buch unterteilt sich in über 50 recht kurze Kapitel. Das lädt geradezu dazu ein, es häppchenweise zu lesen. Mal eins am Abend, am anderen mal drei oder sogar fünf, ganz nach Lust und Laune. Ich mag solche Bücher, weil ich da nicht jeden Abend noch eine Handlung aus dem FF auf der Reihe haben muss. Zwischendurch erhält man Einblick in das Tagebuch des Tods mit vielen Fotos, die ihn in verschiedenen Momenten zeigen. Die fand ich widerum sehr witzig!

So knallrot fällt das Buch im Regal des Buchladens sleicht auf. Mir gefällt vor allem der Tod mit seiner Sense auf dem Fahrrad. Das sieht lustig aus und man fragt sich sofort, wieso der Tod mit dem Rad unterwegs ist. Irgendwie hat man ja meist eine andere Vorstellung davon, wie der Tod herumkommt.

Fazit:  Leider fand ich „Mein Leben als Tod“ nicht so witzig wie ich es mir erhofft hatte. Ich kann nicht mal genau sagen, wieso nicht. Vielleicht, weil das Leben des Tods oft kaum anders ist als das eines Menschen. Und nur weil der Tod sie erlebt, werden sie nicht automatisch zum Brüller. Aber schräg sind sie durchaus, von daher hatte das Buch für mich doch seinen Reiz. Außerdem mochte ich den Tod vom ersten Moment an wirklich gerne und er tat mir oft sehr leid, wenn man ihn und seine Pläne und Ideen für seinen Job mal wieder nicht für voll nimmt. Somit habe ich mit dem Buch auch ohne viel Gelächter ein paar unterhaltsame Abende verbracht.


Titel: Mein Leben als Tod
Autor: Der Tod
Seiten: 272
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596197897
Preis: 9,99 (TB)

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