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Feb 12

Rezension – Digby #01 (Stephanie Tromly)

digby01Beschossen. Inhaftiert. Gekidnappt. Ein ganz normaler Tag mit Digby: Bei Digby muss man auf alles gefasst sein. Das war Zoe in dem Moment klar, als sie seine Bekanntschaft machte. Nicht klar war ihr allerdings, dass sie mit ihm auch gleich von einer gefährlichen Situation in die nächste geraten würde. Denn Digby setzt alles daran, den Fall seiner kleinen Schwester, die vor acht Jahren entführt wurde, aufzuklären.Wie er es aber anstellt, dass Zoe mit ihm bei einem Gynäkologen einbricht,kurzzeitig auf der Polizeiwache landet und an einen Drogenhändlerring gerät? Keine Ahnung. Nur eines weiss sie genau: Ein Plan B wäre jetzt gerade sicher nicht verkehrt.

Über dieses Buch bin ich eher zufällig gestolpert, habe aber genau da bereits von großen Erwartungen und Begeisterungsstürmen gelesen. Da es vom Klappentext her ganz interessant klang und mir das Cover ausnehmend gut gefiel, habe ich beschlossen, Digby und Zoe kennenzulernen.
Wie fand ich die Geschichte nun? Das ist schwer zu sagen. Ich würde sagen: schon gut, aber ganz ist der Funke (noch) nicht übergesprungen. Da es sich unverkennbar um einen ersten Band handelt, ist es noch fraglich, ob ich mit der Reihe weitermachen werde.
Warum der Funke nicht ganz übergesprungen ist, ist genauso schwer festzumachen. Ich mochte Digby und Zoe wirklich gerne und habe über ihre schlagferigen Dialoge manches Mal schmunzeln müssen. Aber ich hätte doch gerne noch mehr über die beiden gewusst. Sie stolpern holterdipolter bei einem Schulprojekt übereinander, hängen fortan (mal mehr, mal weniger begeistert zusammen) und geraten letztlich in einen gefährlichen Fall. Aber warum sie so leben, wie sie leben, was sie tatsächlich fühlen, das kam mir zu kurz. Und das brauche ich um mich in Figuren ganz hinzuversetzen und mit ihnen zu hoffen, die bangen, zu lieben, was auch immer. Zwischen Digby und Zoe und mir blieb so immer eine gewisse Distanz.
Dann war da noch die Sache mit der Spannung. An sich klingt es ja wirklich vielversprechend, wenn man liest, welches Rätsel vor allem Digby lösen möchte und was sie dabei erleben. Streckenweise ist es auch spannend und actionreich. Dann aber kommen wieder Szenen, die genau das Gegenteil sind. Die sich nicht mal mit viel Phantasie mit dem eigentlichen Fall in Einklang und Zusammenhang bringen lassen. Ich habe manches Mal dagesessen und mich gefragt, was das Geschehen gerade eigentlich noch mit der Entführung von Digbys kleiner Schwester zu tun haben soll. Die Handlung zieht teilweise so weite Kreise, dass man dieses eigentlich zentrale Thema aus den Augen zu verlieren droht. Und das verwirrt eher, als dass es spannend unterhält.
Außerdem wirkt es irgendwie überladen. So als habe man versucht, möglichst alles in diese Geschichte zu stecken, was -vermeintlich- einen guten Krimi / Thriller ausmacht. Quasi alles, was den begeisterten US-Crime-Seriengucker allabendlich begeistert. Nur eben mit ein paar Teenagern im Mittelpunkt. Und nein, so leid es mir tut, einiges davon habe ich der Story nicht abgenommen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass hier ein paar Sechzehnjährige zugange sind.
Damit hängt auch mein dritter Kritikpunkt zusammen. Ich habe eingangs geschrieben, dass ich mich bei Digbys und Zoes Dialogen oftmals wirklich amüsiert habe. So cool, so clever und so schlagfertig. Zu Beginn scheint Digby Zoe darin noch überlegen zu sein, doch Zoe mausert sich schnell. Doch so viel Spass ich dabei hatte, objektiv betrachtet, wage ich zu bezweifeln, dass  Sechzehnjährige allgemein so drauf sind. Wären sie etwa vier Jahre älter, vielleicht. Aber mit sechzehn?
Ich habe das Buch trotzdem relativ schnell durchgelesen. Es hat keine zwei Tage gedauert, denn trotz allem ist es ganz klar gute Unterhaltung. Wenn man sich nicht über zu viele Dinge Gedanken macht, sondern einfach den Witz, das Tempo und die haarsträubenden Ereignisse genießt, dann kann man mit Digby & Co. manch vergnügliche Stunde verbringen.

Und damit sind wir auch schon beim Thema Lesetempo. Das wird durch die turbulente Handlung und die zahlreichen Dialoge immens vorangetrieben. Und so fliegen die Seiten nur so dahin. Die Kapitel haben eine ordentliche Länge, mit der man gut in der Geschichte vorankommt und sind gleichzeitig kurz genug, um sich immer wieder zu sagen, dass ein Kapitel mehr noch geht. Und nochmal und nochmal und nochmal…

Das Cover gefällt mir richtig gut! Ich finde Digby und Zoe wirklich sehr attraktiv und cool. Den Schwarzweiß-Stil mag ich ebenfalls, irgendwie hat er für mich etwas Krimitypisches an sich. Genauso wie der Hintergrund und die Darstellung der beiden. So wie vor dieser Wand, vor der sonst die wahren Verbrecher stehen und ihre Knacki-Nummer in die Kamera halten. Und es ist erstaunlich: man kann ein Buchcover mit solchen Fotos gestalten, ohne dass die Idee so ausgelutscht wirkt wie bei den zahlreichen paranormalen Teenie-Romanzen.

Fazit:  Nicht Fleisch, nicht Fisch. Irgendwie fehlte mir bei „Digby #01“ der letzte Schliff, ein bisschen mehr Tiefgang, ein paar mehr Infos über die Hauptfiguren, ein bisschen mehr Fundament, das die Geschichte griffiger gemacht hätte, und dafür ein bisschen weniger RTL2-Crime. So aber blieb die Spannung doch ziemlich (schnell) auf der Strecke. Das Buch ist wie Popcornkino: lesen, sich berieseln lassen, Spass haben und nicht viel dabei denken, dann wird man vergnüglich unterhalten. Mal sehen, ob ich Digby und Zoe eine zweite Chance geben werde.


Titel: Digby #01
Autor: Stephanie Tromly
Seiten: 317
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789148095
Preis: € 14,99 (HC)

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