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Mrz 23

Rezension – Wolfsschlucht (Andreas Föhr)

wolfsschluchtEin Bestattungsunternehmer versinkt mitsamt seinem Leichenwagen in der Mangfall, während gleichzeitig eine junge Frau verschwindet. Ihr Wagen wird kurz darauf im Gebirge gefunden – aufgespießt von einem Maibaum. Im Lauf der Ermittlungen stellt sich heraus, dass beide Ereignisse auf eigenartige Weise zusammenhängen – und dass bei beiden Wallners anarcho-bayerischer Kollege Leonhardt Kreuthner seine Finger im Spiel hat, dem diesmal ein genialer Plan für einen Maibaumklau aus dem Ruder gelaufen ist.

Ein neuer Krimi von Andreas Föhr. Den konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, so als Fan von Wallner und Kreuthner.
Die Geschichte beginnt mit einem recht derben Streich, den Kreuthner und seine Kumpels dem ortsansässigen Bestatter spielen. Nachdem dieser sie halb zu Tode gelangweilt hat, setzen sie ihn in seinen Leichenwagen und schieben ihn in die Mangfall, einen etwas größeren Bach. Doch am Tag darauf findet man den Wagen ein Stück bachabwärts, der Bestatter ist tot, jedoch nicht ertrunken.
Ja, es ist ein böser Streich, das weiß ich. Allerdings musste ich doch darüber schmunzeln. Ich mag einfach Kreuthner und seine verrückten Ideen. Und das hier ist eben eine Aktion wie sie typischer für ihn kaum sein könnte.
Die Frage ist natürlich, was mit dem Fahrer geschehen ist. Wer hat ihn getötet?  Dies ist quasi der eine Fall, den Wallner und seine Kollegen aufklären müssen. Es gibt aber noch einen zweiten: eine junge Frau ist verschwunden. Ihren Wagen findet man im Wald, gepfählt von einem Maibaum. Wie passiert so etwas? Wo ist die Frau? Wieso verschwand sie?
Und als ob das noch nicht genug Fragen wären, drängt sich einem noch eine weitere Frage auf: besteht etwa ein Zusammenhang zwischen den Geschehnissen? Genau wie Wallner habe ich schnell in diese Richtung gedacht und genau wie er gegrübelt und gegrübelt, verdächtigt und versucht, Verbindungen zu sehen bzw herzustellen. Das hat die Geschichte für mich sehr spannend gemacht! Immer wieder hatte ich das Gefühl, der Wahrheit ein wenig auf die Schliche zu kommen, dann wieder fühlte ich mich auf dem Holzweg.
Durch die Schauplatzwechsel bekommt man stetig neue Infomationen und Erkenntnisse an die Hand, doch ein schlüssiges Bild wollte sich für mich einfach nicht ergeben. Manchmal habe ich sogar bezweifelt, dass es jemals zu einer schlüssigen Auflösung kommen würde. Somit habe ich bis zum Ende mitgefiebert und konnte das Buch kaum aus den Händen legen.
Hilfreich beim Mitknobeln ist einmal mehr, die Kleinschrittigkeit, in der die Arbeit von Wallner und seinen Kollegen beschrieben wird. So entgeht einem kein Detail. Außerdem finde ich das so immer sehr viel glaubhafter, als wenn ein Superermittler im Nullkommanix weiß, was in seinem Fall Sache ist.
Die Auflösung ist dann -wie hatte ich daran zweifeln können- natürlich absolut durchdacht und logisch. Es ist bewundernswert, wie Andreas Föhr alle Ereignisse, die so zusammenhanglos wirken, sich aber zusammenhängen anfühlen, auf diese Auflösung hinlaufen lässt. Darauf wäre ich wohl nie gekommen. Allerdings musste ich doch noch etwas darüber nachdenken, nachdem ich das Buch zugeklappt hatte. Zwei Dinge erschienen mir nicht so ganz sinnig, waren es nach ein paar Überlegungen aber selbstverständlich doch. „Wolfsschlucht“ ist kein Krimi für nebenbei, man muss schon gut bei der Sache sein und bleiben!
Der Humor kommt auch bei diesem neuen Föhr-Krimi nicht zu kurz. Das fängt mit oben erwähnten Streich erst an, setzt sich fort über eine chaotische Maibaumaktion und Kreuthner manchmal etwas ungewöhnliche Ermittlungsmethoden. Meinen Spass hatte ich außerdem mit Wallners Großvater, der dieses Mal eine ganz wichtige Rolle spielt. Ich mag den kauzigen Alten so gerne. Er ist eine so liebenswerte Figur. Ich hoffe, wir werden noch in vielen weiteren Krimis von Andreas Föhr von ihm lesen. Es ist eine Kunst, Geschichten eine humorvolle Note zu verleihen ohne dabei ins Alberne abzurutschen. Andreas Föhr beherrscht diese Kunst einwandfrei!

Ich habe „Wolfsschlucht“ an zwei sehr langen Abenden ausgelesen. Es liest sich leicht und zügig, ohne dass es zu Lasten der Spannung und der Atmosphäre geht. Die Kapitel haben diese verhängnisvoll knackige „ach-eins-noch!“-Länge. Da war einfach keine frühzeitige Lesepause zugunsten ausreichenden Schlafs drin.

Das Cover gefiel mir auf Anhieb. Es wirkt krimimäßig düster und macht neugierig. Man fragt sich automatisch, was sich hinter der Tür mit diesen Riegel befinden mag. Blutspritzer in der Mitte lassen bei genauerem Hinsehen erahnen, dass es nichts Gutes sein kann.

Fazit:  Einfach top! „Wolfsschlucht“ ist ein super spannender, neuer Falle für Wallner, sein Team und natürlich irgendwie und irgendwo auch für Kreuthner. Ich habe bis zum Schluss genknobelt, wie die beiden scheinbar einzelnen Fälle wohl zusammenhängen könnten. Denn da war ich mir sicher: es gibt eine Verbindung! Nur wo? Auf die Auflösung wäre ich nicht gekommen und somit war sie eine echte Überraschung. Der vertraute Humor klingt auch in diesem neuen Krimi wieder durch. Er gehört einfach zu den Föhr-Krimis dazu. Ich mag es, wenn ich auch bei einem Krimi zwischendurch mal schmunzeln oder sogar lachen kann.


Titel: Wolfsschlucht
Autor: Andreas Föhr
Seiten: 394
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 978-3426517048
Preis: € 14,99 (Broschiert)

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